Mittwoch, 30. April 2014

April(wetter)papier - mit allen Wassern gewaschen

Im Ausstellungsvorbereitungs-Flow und beim Vorbereiten von noch 3 - 6 (Format immmmmmer noch nicht klar...) neuen Collagen habe ich auch wieder mal "zig" meiner Papiere (Abklatschpapiere, Batikpapiere, gedruckte Papiere, geschöpfte Papiere, gesammelte Papiere...) durch meine Hände gehen lassen, und wie sollte es anders sein, kam da auch eine Inspiration für den Mustermittwoch her. Da Annette diesen Monat für mich ganz und gar passenderweise Papier als Herzblut-Projekt erkoren hat, gibt's heute am Mustermittwoch ein bisschen mehr als Musterpapiere, obwohl, irgendwie gemustert sind sie alle, nur nicht alle so ganz wettermäßig... 
Zunächst eine fix auf den leeren Aprilplatz gelegte Collage aus Abklatsch- und Batikpapieren:












Das oben rechts sichtbare blauweiße Papier entstand, als ich Butterbrotpapier-Tüten nach dem Wachsen mit dem Pinsel mit blauer Batikfarbe eingestrichen und auf einen A3-Bogen zum Trocknen abgelegt hatte. Daraus entstand der blaue "Abklatsch" mit den an weiße Wolken erinnernden Streifen. Daraus habe ich ein Stückchen zu weißwölkchenflirrendem Blauhimmel weitervermustert:













Die zweite Collage besteht aus selbst geschöpften Papieren. Ich verwende dazu ausschließlich Naturmaterialien und Recycling-Papiere. Manche Papiere in der Collage sind reine Naturpapiere (z. B. Brennnessel, Maisblätter, Narzissen, Zwiebelschalen, Bananenschalen, Stroh..., also Materialien mit stärker faserhaltiger Struktur), andere aus Recyclingpapier-Pulpe mit Blütenblättern oder mit Pflanzenabdrücken versehen. 










Ein Papier aus diesen gehört zu meinen Lieblingen. Es ist sehr dünn, fast durchsichtig, von fast pergamentartiger Konistenz und jetzt ist gerade die Zeit, in der man es machen kann... Wer errät, aus welchen Pflanzenteilen das Papier ist? Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich dieses vorerst letzte übriggebliebene Blatt nicht weiter verarbeiten kann. Ich brauche es einfach zum Anschauen, Anfassen, Freuen und es kam nach einem Ausflug in den sonnigen Gartenhimmel wieder zurück in die "Mustermappe":

















In einem meiner Notizbüchlein fand ich letzte Woche die gesammelten Wetterworte zum Mustern. Nun sind Notizen zur Vorbereitung der Ausstellung dazu gekommen und auch anderes kam wieder in den Blick. Ich bin ja so eine von den Ansprüchen kunstpädagogischer Lernziele zeichnerisch gehemmte und "gefühlt" blockierte Existenz, die sich ums Zeichnen drückt, wo sie kann... Aber die eine oder andere Bleistiftskizze wandert dann doch auf so eine Notizbuchseite, auch als Michaelas Ruf zum Wettermustern kam. Da ich nun neulich "angedroht" hatte endlich mal wieder was mit der Hand mustern zu wollen (und das vorzubereiten nicht geschafft habe), war ich froh, die Skizzen jetzt wieder zu finden. Ich hatte sie ganz und gar vergessen und oute die mich jetzt mal... Dancing in the rain...














Und zum Schluss, übergangsweise vom April-Thema "Wetter" zum nächsten Musterthema "Blumen im Mai" noch einmal ein Mix aus diesen Themen, ein Fliesenversuch aus einer nachträglich mit Aquarellstiften kolorierten Bleistiftskizze mit einem Frühlingswiesen-Sonne und Wolkenmotiv, also auch irgendwie Wetter. Und auf mich wirkt das Muster so leicht und fast sommerlich, dass mir ein lange Jahre zurückliegende Toscana-Olivenhain-Urlaub in den Sinn kam...

 


Alles aus oder auf Papier... Ich bin so froh diese "Kreativarbeits-Urlaubsauszeit" hab nehmen zu können vor der Ausstellung... Ich fühle mich nach anfänglichem Unwohlsein auf dem Weg aus dem Alltag inzwischen rundum gut, ganz, heil, in meiner Mitte.

Und somit wandert all das jetzt mal los, hin zu: Michaelas Mustermittwoch.
Annettes Herzblutprojekt. Évas Mittwochs im Mittelpunkt.

Dienstag, 29. April 2014

12tel Blick und SinnBLICK im April

Der April war in der ersten Hälfte so voll mit Terminen und Arbeit und anderem Tun und Lassen, dass ich nur einmal "richtig" dort war, an meinem 12tel Blick. Vorbeigefahren ein paarmal mehr, auf Hin- oder Rückweg irgendwohin und irgendwoher, aber manchmal war kein Fotoapparat dabei, manchmal stimmten Wetter und Licht so wenig, dass ich keine Lust hatte anzuhalten und meinen "Punkt" zu suchen. Am Dienstag nach Ostern dann, nach dem Ausflug zum Familientreffen, bin ich am frühen Vormittag losgewandert, denn ja: "Das Leben ist ein Freiraum!", und noch mal ja: es ist hier so grün geworden!!! 

12tel Blick am 23.04.2014. Die Roteiche ist zu sehen, links eine Birke und ganz links im Vordergrund nun auch das Obstbäumchen.
Herangezoomt sieht man die Roteiche im jungen Laub, nun hebt sie sich schon deutlicher ab aus der Reihe der anderen Waldrandbäume.



Vom Wege ab durchs Unterholz hin zur Eichenreihe habe ich meine Sinne noch einmal bewusster auf Empfang gestellt. Insbesondere wollte ich meinen Ohren nicht trauen: auf der Gestütsfläche, die viel ganztägig besonnte Trockenrasenflächen enthält, hörte ich Heuschrecken, das habe ich im April noch nie in dieser Intensität erlebt... Es müssen Mengen gewesen sein, da ich aber (dann ganz im Gegensatz zu meinem wilden Gärtnern...) doch soweit domestiziert oder zivilisiert bin, dass ich eingezäunte Flächen nicht oder nur am äußersten Rand betrete, konnte ich leider keiner ins Angesicht sehen.



Gesehen: natürlich meine schwungvolle 12tel Blick- Baum-Linie zwischen Himmel und Wiese, eine Wespe beim Blütenblätterschütteln, die frischen jungen Roteichenblätter und -blüten... und noch mehr...

...aber erst mal gefühlt: die dünnen frischen Blätter, die kitzelnden Blüten der Roteiche, und ihren den kräftigen Stamm im Rücken, den Po auf meinem unverwüstlichen Alltagshelden.

Von meinem gemütlichen Sitz aus dann auch sehr die warme Sonne gefühlt und noch mehr gesehen: Mistkäfer und Schmetterlinge, die sich nicht fotografieren lassen wollten, Naturverjüngung unten, und hinauf am Stamm in Krone und Sonnenhimmel.




Gehört: Heuschrecken, mehr Autos als sonst, aber auch die Ameisen bei ihrem emsigen Treiben und Laufen übers trockene Eichenlaub, Gänse- und Kranichruf.


Von dort kam der schwirrende Ruf der Heuschrecken.

Auf dem Rückweg hinaus aus der Roteichenreihe gerochen: an einem mir unbekannten weiß blühenden Gehölz, nichts Charakteristisches an Duft, dennoch wüsst' ich ja gern, wer das ist.



Geschmeckt: noch ein paar übrige Morgentautropfen von Grashalmen im Schatten, Löwenzahnblütenblätter.

Gedacht: Es ist soooo früh alles in diesem Jahr... 







Übers Jahr 12 x dieselbe Sicht aus derselben Perspektive - 12tel Blick - Fotoprojekt von Tabea (April-Sammlung).
Übers Jahr 12 x dasselbe Gebiet mit allen Sinnen erspüren - SINNBlick2014 - Fotoprojekt von Annette (April-Sammlung).
Die Zusammenfassung meiner 12tel-Blick-Fotos aus den Vormonaten hier
Weil's diesmal wieder so gut passt: Mein Freund der Baum bei Rebekka.

Montag, 28. April 2014

Montags-Mandala (1)



Neulich bin ich auf den Blog Babajezas Wundertüte gestoßen (oder Regula auf meinen?). Ihre Idee zum Wochenbeginn ein Mandala zu legen, hat mich auf Anhieb fasziniert, ich bekam sofort Lust das (wie 2012 noch "vor meiner Bloggerzeit" schon eine Weile lang...) nun auch wieder zu machen, gerade jetzt in der Draußen-Jahreszeit. Und so habe ich am Montagmorgen in aller Gemütsruhe ein Mandala gelegt, mit den sich nun langsamer (Vinca) oder schneller (Japanische Zierkirsche) lösenden Blütenblättern, auf einem schon fast in seine Schichten zerfrorenen Tontopf-Untersetzer. Als solcher oder als Vogeltränke taugt der Tönerne also nicht mehr, aber blütenleichte Mandalas aus meinem wilden Garten oder nadel- und blätterleichte aus dem Wald vor der Haustür hält er sicher noch eine Weile aus und bekommt auf seine alten Tage - für mich und ihn ganz unvermutet - ein neues buntes Leben geschenkt, und das der Blütenblätter geht noch ein paar Tage weiter..., wenn der Wind nicht kommt... Aber auch das hat für mich großen Reiz: das Zeitweilige, Veränderliche, Vergängliche einer solchen "Schöpfung"...



Ich liebe es mit natürlichen Materialien "umzugehen". Ich habe dauernd etwas in der Hand, sammle, ordne, ordne um, mische neu... Kreativität, die gut tut und keinerlei Kosten verursacht, nichts muss "gekauft" werden. Gebraucht werden: Zeit. Langsamkeit. Lust am Spiel mit den Dingen... Wenn die Blüten in die Jahre in die Tage gekommen ist, sitzen sie nur noch lose an den Zweigen, und man kann sie ganz leicht ablösen, sie gleiten quasi von selbst in die Hand... Die frischen, eben aufgeblühten sitzen dagegen "fest". Beim Einsammeln braucht man sich also nicht zu sorgen, ob man den Frühlings-Blütenrausch schmälert. Die "losen" holt der Wind ja ohnehin beim nächsten Windstoß...



Verwendete Pflanzenmaterialien: Spitzahornblätter von Baby-Bäumchen, die ich ohnehin "ziehen" musste..., schon mit Herunterrieseln beschäftigte Zierkirschblütenblätter, Rhododendronblütenkelche, Vinca major, Löwenzahnblütenblätter.

Montag-Mandala-Monday bei Babajezas Wundertüte. EDIT - Diese Woche vom Dienstag! EDIT 2 - und noch eins - ein sonnengoldenes von Judika!
100. Upcycling-Dienstag bei Nina. Ressourcenschonung: Altes "mit Pfiff" erneuern und verändert weiterverwenden und nicht gleich wegfeuern...
Und hier: Creadienstag.

Mein Freund der Baum - "Strandbäume"

Wenn bei uns am Wochenende gearbeitet werden muss wird oder das Faulenzen und Lesen im Garten Priorität hat, gibt es nur einen kurzen Spaziergang statt einer Radtour oder Wanderung. In 10 Minuten sind wir zu Fuß durch den Wald am Badestrand, an einer der nur ganz wenigen öffentlich zugänglichen Stellen am Langen See hier. 

Um diese Jahreszeit wird dort noch nicht gebadet und wir sind oft ganz allein und sitzen ein paar Minuten auf der Bank, schauen aufs Wasser und in den Himmel, und auf die Bäume. Manchmal sehen wir Graureiher, oft Enten, Blesshühner und Haubentaucher, wenn wir Glück haben den Seeadler und das allergrößte (sehr seltene) Ereignis ist, wenn der Eisvogel auf einem der im Wasser stehenden Bootspflöcke oder Reusen zur Fischjagd ansitzt. Neulich waren wir auch mal in der Abenddämmerung da (ohne Fotoapparat), und konnten Fledermäuse beobachten. - Die meisten Seen hier sind von einem Saum von Bäumen oder, wenn sie nicht an den Ufern besiedelt sind, gar von Waldgebieten umgeben. Die Ufer sind meist unbefestigt und werden durch Wellenschlag unterhöhlt, da kippt der eine oder andere Baum dann schon mal um oder wird noch rechtzeitig vorher abgesägt. Diese Baumstümpfe ganz dicht am Wasser sind Lieblingsplätze der Kinder. 

Links Erlengruppe und Spitzahorn, in der Mitte Eichengruppe und Birken.
Blick nach oben - ins junge besonnte Eichenlaub-Grün

Aber meist ist, wie hier, der Nachwuchs schon da. Keiner der Bäume ist hier gepflanzt worden, sie alle sind einmal Sämlinge gewesen, die es nun zu Bäumen geschafft haben. Ob das so weiter geht mit den Sämlingen, die zu Bäumen werden, ist zu bezweifeln... Die regelmäßige Ordnungs- und Sauberkeitspflege, die seit einigen Jahren betrieben wird, lässt derlei "Unordnung" nicht zu. Verschwunden ist sämtliches Unterholz, in dem sich die spielenden Kinder früher verstecken konnten, Kräuter kommen nicht mehr zur Blüte. Von den Bäumen ist jeder Ast abgesägt, der zum Klettern animieren könnte. Aber das Wasser kann man nicht abstellen, es ist noch da..., wie gut! Und ein paar Fuhren frischer Sand sind auch eingetroffen, sehr löblich. Bald wird das Quietschen und Lachen badender Kinder wieder bis zu uns dringen - im Sommer ein vertrautes und mit manch eigener Kindheitserinnerung verbundenes Geräusch. Für heute gehen wir wieder, nach Haus, um die Ecke.

Noch mal ein Blick zurück, rechts eine Pappelgruppe.
 Rebekkas Rubrik "Mein Freund der Baum" geht in die nächste Runde