Also erstmal, ihr seht es: es ist noch genug Papier übrig... Zum Beispiel in Blau. Denn meine Küchenmuster gehen nicht ohne Blauweiß, meine bevorzugte Farbkombination in der Küche. Von Anfang an, seit bald 40 Jahren...
War es meine Absicht oder waren es die ersten Blauweiß-Geschenke, die ich von Freundinnen bekam und von der Schwiegermutter? Jedenfalls wollte ich in der Küche viel Blauweiß. Ums Zwiebelmuster musste ich mich ja nun nicht mehr kümmern, das hatte Michaela schon so wunderbar getan. Also dann heute die andere Blauweiß-Facette, gepunktet.
So ein ähnliches Ensemble hatte Birgitt auch gezeigt. Aus der Zeit unserer Großmütter? Ich habe meins (aus Schwiegermutters Küche mitnehmen dürfen) nun auch heruntergeholt vom Brett überm Fenster und überlege es wieder zu benutzen. Leider fehlen die meisten Deckel... Außer auf dem Kaffeetopf, der auch im echten Küchenleben schon sehr lange wirklich mein Kaffeetopf ist. Es passt genau ein Pfund Kaffee hinein.
Die zwei linken Minis sind noch von meiner Mutter und vermutlich älter als ich...
Die Kanne mit Punkten war schon beim ersten Küchenmuster-Auftritt dabei. Von dem Bürgeler Blauweiß-Geschirr (und noch anderem) hatte ich soviel, dass ich jetzt ein großes Paket mit einer Grundausstattung für eine große Familie gepackt habe, die es brauchen kann. Und immer noch gibt es genug schönes Geschirr bei mir, um zwei Dutzend Menschen zum Festmahl zu versammeln..., was durchschnittlich höchstens einmal im Jahr vorkommt.
Außer zwei Schubladenkommoden gibt es in der Küche nur ein offenes und von uns selbst gebautes Hängeregal. Mein Wunsch-Vorhangstoff, blauweiß "gewürfelt", war damals knapp und einfach nicht zu bekommen. Die blauweiße Ausweichvariante, z. T. schon vernäht, war doch nicht das Richtige, zu "folkloristisch". Zum Teil hängt das nun in Streifen in der Bude, noch immer sind ein paar Meter da und ich weiß nicht recht, wohin damit. Aber diese blauweiße Batik, die könnte ich doch jetzt endlich mal in der Küche aufhängen und die anderen blauweißen Sachen dort irgendwie neu verarbeiten.
Mit schönen passenden Geschirrtüchern hadere ich, denn die sollen auch blauweiß sein. Außer den üblichen karierten oder gestreiften habe ich nur noch ein altes blaues mit Zwiebelmuster. Und eigentlich brauche ich mal ein paar neue. Habe mir also mal Probemuster gemacht.
Die Schüssel-Liebe ist mir nicht abhanden gekommen, auch wenn ich ganz ungeplant zwei Wochen zwischen die Mustermittwochs gelassen habe. Auch heute wieder ein paar Schüsseln, in meinen Skizzenbüchern, natürlich mit viel Blau und Weiß und ein paar Punkten. Und mit Extrafisch für Michaela und Andiva.
Manos Liebe zu Schwarzweiß und Schwarzrot hat mich auch nicht losgelassen, so gibt's heute für sie ein Extra im Musterbuch, habe ein Küchenregal für sie umgeräumt und ergänzt, kleiner Gruß anstelle der Postkarte, die ich schon so lange schreiben will...
Da ich neulich nicht nur in Akten- und Unterrichts-Papierbergen, sondern auch in Bücherbergen gewühlt habe, fiel mir dies in die Hände. Auch so eine Fundgrube, die alten Lehrbögen für Kunsterziehung, gerettet vor der Entsorgung aus einer geschlossenen Grundschule...
Ein paar blaue Punkte und Quadrate habe ich von meinem Geschirr noch ins Musterbuch hüpfen lassen, vielleicht werden auch das die neuen Geschirrtücher?
So nun aber erstmal weiterziehen zum Mustermittwoch. Dann zu MittwochsMagIch, nämlich mein blauweißes Geschirr... Zur Papierliebe, so einiges an "verändertem" Papier hab ich ja dabei... Und übermorgen zum Fisch am Freitag. Dazwischen müsste ich wieder an meine Papierberge, obwohl ich auch gern mal einen ganzen Tag "im" Musterskizzenbuch verbringen würde...
In der vergangenen Woche habe ich endlich begonnen Ernst zu machen. Mich zu trennen. Von Papierbergen vergangener Jahrzehnte. Es ist noch immer so, dass ich kein Blatt Papier wegwerfen kann ohne noch mal draufgeschaut zu haben. Aber ein Anfang ist gemacht, eine ganze Papiertonne ist voll geworden und ich frage mich besorgt, wo das ganze Papier denn vorher war... Nach diesem langen Zögern war plötzlich klar, was ich nicht mehr brauche. Entweder weil es nicht mehr wichtig ist für mich, weil sich etwas als Randerscheinung oder Sackgasse herausstellte oder - und da habe ich gestaunt - weil ich es nicht mehr brauche, weil ich das, was darauf steht, so verinnerlicht und in mein Leben integriert habe, dass es mir nicht mehr abhanden kommen kann. Ich habe keine Angst mehr etwas nicht nachschauen zu können, weil ich mir sicher bin, wenn ich es brauche, wird es da sein und aus meinem Herzen, aus dem Bauch und aus dem Kopf hervorkommen.

Zimmerpflanzen habe ich nur wenige. Ich lebe ja eher mit dem Grün draußen vor der Tür und bin jeden Tag draußen. Nicht um von A nach B zu kommen, sondern um draußen zu s e i n . Da kann mich auch Wetter nicht abhalten. Ein paar Sukkulenten gibt es da noch, zur Sommerfrische, Affenbrotbäume (Ableger von einer leider erfrorenen sehr alten Mutterpflanze), Aloen (Geschenke), eine Haworthie (aus einer Wegwerfsachenkiste gerettet), eine Agave, eine Euphorbia. Sie schmücken sommers den Terrassenrand, bevor sie wieder im trockenen und kühlen Gästezimmer Winterquartier verschwinden. Wie die Schuster- oder Fleischerpalme, die bei einer alten Freundin im Treppenhaus nicht mehr bleiben konnte. Die Zimmerpflanze, die in einem meiner "Schlafbüro"-Fenster steht, bekam ich dieses Jahr von lieben Übernachtungsgästen geschenkt. Ich weiß nicht, was es für eine Pflanze ist. Fühlt sich auch ein bisschen dickfleischig an. Darüber schlängeln sich die langen Triebe einer Leuchterblume. Alle paar Jahre verjünge ich sie, trenne die Knöllchen ab und topfe sie, und manches eins kleine Pflänzchen ist jetzt auch schon ganz woanders verwurzelt. Ich kann nicht mehr sagen, wo ich die Leuchterblume eigentlich mal her hatte. Jedenfalls lebt sie schon Ewigkeiten hier und ist die genügsamste Zimmerpflanze, die ich kenne.

Geschrieben steht hier mit ausgeblichener, einst schwarzer Tinte, ein Gedicht von Sarah Kirsch.
Bäume
Früher sollen sie
Wälder gebildet haben und Vögel
Auch Libellen genannt kleine
Huhnähnliche Wesen, die zu
Singen vermochten, schauten herab.
Geschrieben auf einem Papier, das mal ein "Unfall" war. Eins der großen A3-Blätter, die ich vor ungefähr 12 Jahren bei einem Kurs mit Dagmar Naumann (Blankenburger Schlosspapier) in Weddersleben schöpfte. Beim Herausheben des Siebes - im A3-Format ist das gegen die Wasserlast ziemlich schwer - rutschte das Papier ab und schlug Falten. Normalerweise gibt man dann das Blatt in die Pulpe zurück, indem man das Sieb auf die Wasseroberfläche legt, die Papierfasern abgleiten lässt und wieder mit der Pulpe vermischt. Es hielt mich etwas ab. Ich presste das faltige Blatt. Auch daraus könnte etwas werden. Heraus kam dieser Baum. Und dazu fand sich das Gedicht, das Papierblatt wurde mit Kleber auf ein irgendwo mal übrig gebliebenes und zwischengelagertes Drahtgestell montiert.

Seitdem hängt dieses Blatt im Fenster bei mir im Zimmer, schon viele Jahre lang. Ein Zeichen. Meiner Trauer um vor ihrer Zeit zum Sterben verurteilte Bäume, weil sie Menschen im Weg sind. Wie Wildkraut, dem mit Hacke und Gift feindselig als "Un"kraut zuleibe gerückt wird. Weil es die Ordnung stört, die Sauberkeit. Obwohl es lebendig ist wie wir. Inzwischen haben wir Zeiten, in denen nicht nur Bäume, sondern auch Menschen im Weg sind. Weil sie stören. Unfassbar und doch an der Tagesordnung. Hier. Jetzt. Vor unseren Türen. Wie gut es ist und wie gut es tut, dass es auch Türen gibt, die offen stehen. Hoffentlich genug. Und dass es so viele Menschen gibt wie sie, die mit beeindruckender Geduld nicht aufhören im Gespräch mit Menschen zu bleiben, aufzuklären, seit Wochen unterstützend ihre Hände regen und Menschen menschlich begegnen. Zuversicht stärkend.
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung." (Martin Buber)
Und - bei allen Konstanten - auch Veränderung. Darüber nachzudenken gehe ich jetzt weiter meine Papiere ordnen. Und sollte der Himmel mal wieder ausreichend Tageslicht spenden und nicht nur solche grauen Fotos zulassen, komme ich irgendwann mal nicht nur fotografisch auf noch mehr Papier zurück. Auf Bücher.
Bunt ist die Welt - Zimmerpflanzen.
Papierliebe - Veränderung (und auch zu Falten hätte es gepasst).
Creadienstag.
Upcycling-Dienstag.
"In Zeiten der Verunsicherung, Entscheidung, Belastung und Trauer brauchen wir Räume, in denen wir aufatmen können."
(Pierre Stutz: Gelassen bleiben. Sich auf das Leben einlassen
in: Einfach leben - In 52 Schritten Schritten durch das Jahr, 2004, Woche 38)
Ich habe diesen immerwährenden Kalender mit 52 kürzeren und längeren Impulsen für jede Woche im Jahreslauf seit über 10 Jahren bei mir am Schreibtisch stehen, lese manchmal, überblättere viel und auf einmal ist da wieder etwas, was trifft, Assoziationen auslöst, Gedanken nach sich zieht, Verstehen anbahnen und Handeln auslösen kann. Eine Fundgrube, über Jahre, immer wieder neu und überraschend.
Aufatmen kann ich am allerbesten in der Einsamkeit. Draußen. Im Garten. Dort sammelte ich heute morgen was fürs Mandala, ergänzt um einige der bei (und mit) einer Kollegin selbst gepflückten Pflaumen (unter Aufsicht zweier stattlicher Pferde...) und einigen von Ediths Hartriegel-Früchtchen kam das Mandala heute auf den Hochbeetrand.

Fruchtige und farbige Fülle an der Schwelle vom Sommer zum Herbst. Neben Pflaumen und Hartriegel kamen Äpfelchen, Mahonien-und Fächermispel-Früchtchen und Blätter von der Apfelbeere zum Einsatz. Augenschmaus. Die Pflaumen habe ich dann allerdings nicht nur mit den Augen vernascht.
"Am Ende des Films 'Schindlers Liste' sind die Worte eines Rabbiners zu lesen: 'Einen Menschen retten, heißt die ganze Welt zu retten!' An diese Worte erinnere ich mich, wenn die Ohnmacht mich gefangen halten will."
(Pierre Stutz: Solidarisch werden. Gemeinsam hoffen
in: Einfach leben - In 52 Schritten Schritten durch das Jahr, 2004, Woche 33)
Euch eine gute Woche!
Da schon "heimliche" Leser fragen..., ja, ich bin noch da, ich komme nur aus einer ganzen Reihe von guten Gründen zz. weder zum Gucken oder Lesen bei euch noch zum Selber-Bloggen. Ja, die kleine Kröte sitzt auf meinem Knie. Ja, vorher hatte ich sie in der Hand, wie neulich die Blindschleiche in meinem Garten. Das Krötlein sprang mir im Schulgarten in den Weg. Freuden und Momente, die wohl tun. Euch allen gute Tage einstweilen...