Donnerstag, 4. Oktober 2018

Naturdonnerstag (78 + 68) - Mein Freund, der Baum






Letzte Woche habe ich euch Bäume versprochen, von einer ganz besonderen Stelle im Wald südlich von Prieros zwischen Dahme und Schmölde, in einem sanft gewellten Gelände inmitten der hier noch so überwiegend vorhandenen Kiefernforsten. Vor rund 30 Jahren waren wir dort schon einmal, seitdem nicht wieder. Damals mussten wir zum Schluss noch durch eine Lücke im Maschendraht kriechen, war doch das Ziel unserer Tour damals noch Gelände der NVA. Nun liegt alles frei zugänglich vor uns. Auch heute gibt es ein paar Maschendrahtzäune, aber die umringen die vom Bundesforstam neu gepflanzten jungen Eichen und andere aufkommende Laubbäume, damit sie erstmal kräftig durchstarten können und nicht vom Wild verbissen werden. Übrigens gibt es auf dem Weg hinauf eine Wolfskamera, Wölfe sind in Brandenburg dauerhaft wieder angekommen, die Population in Brandenburg soll die dichteste in Deutschland sein.












Das Waldgebiet mit seinen Alteichen wird heute vom Bundesforstamt naturnah bewirtschaftet, d. h. auch Totholz bleibt an seinem Platz und kann noch Jahrzehnte bis Jahrhunderte wertvoller Lebensraum für die darauf angewiesenen Tierarten sein. Dabei ist noch einmal zwischen stehendem und liegendem Totholz zu unterscheiden. Beide dienen ganz verschiedenen und spezialisierten Pilzen, Käferlarven, Vögel, Kleinsäugern und anderen Lebewesen als Rückzugs-, Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Brutstätten...










Bei nachstehender Ansicht fühlte ich mich wieder einmal an die Eichengemälde von Caspar David Friedrich erinnert...










Unser erster Besuch galt ja eigentlich nur dem Wiederfinden des Ortes...., eigentlich wollte ich gestern mit meinem Mann dorthin radeln, aber wegen der Wetterlage und meiner Schniefnase machten wir doch lieber einen Trip mit dem Auto an eine Stelle, von der man das bei Regengüssen flott wieder erreichen kann... Hierher kommt man nur zu Fuß oder mit dem Rad... Aber beim Betrachten und Sortieren der Bilder bin ich mir inzwischen ganz sicher, dass ich nun die Stelle wieder weiß... Wir stromerten noch etwas unter und zwischen den Bäumen umher und nehmen euch mit... Denn inzwischen hatte sich auch längst die Sonne wieder aus der Wolkendecke hervorgewagt.











Was diesen Platz auch noch so besonders macht, ist der Umstand, dass er zum hier im Südosten Berlins ausgebreiteten ehemaligen kaiserlichen Hofjagdgebiet gehörte und ein Stein das Andenken an die letzte kaiserliche Hofjagd im Jahr 2013 wachhält. Nun war ein Andenken an den Kaiser nicht unbedingt das, was die DDR besonders wachhielt, und so kam es wohl auch gerade recht, dass der Stein jahrzehntelang hinter dem Zaun des Armeegebietes quasi verschwunden war... Ein Pilgerziel für Kaisertreue wird der Stein hoffentlich auch nicht mehr, ein Weg dorthin ist nicht ausgeschildert und ich gestehe ehrlich, inzwischen ist mir das angesichts von Vandalismus und Rücksichtslosigkeit, die manche Zeitgenossen in sensiblen Naturräumen walten lassen, sogar sehr recht... Dem alten Kaiserstein an die Seite ist 2013 einer der hier auffindbaren eiszeitlichen Findlinge gesetzt worden, der an 300 Jahre forstliche Nachhaltigkeit (Carlowitz) und eben auch an die letzte Kaiserjagd erinnert. Ganz klar, dass ich angesichts des Steines und dieses naturnahen Waldstückes wiederum an den Hambacher Forst denken musste, dem ich am Wochenende viele friedliche Demonstranten und den Verantwortlichen ein immer noch mögliches Umdenken wünsche... #hambibleibt...






Der alte "Kaiserstein"
Rechts zwischen den zwei schiefen Bäumen der alte, links hell hervorleuchtend der neue Stein.








Mit diesen Gedanken brachen wir wieder auf und setzten unsere Radtour fort, weg von den alten Eichen, vorbei an einem der alten Bunker, der heute für Fledermäuse reserviert ist, vorbei an Buchen, vorbei an jungen Kiefern, die die Fundamente der inzwischen abgerissenen Hallen erobern, zurück nach Hause. Zwei sehr schöne Waldstunden... Dankeschön, R.!






Buchen, Eichen und Findlinge.
Links ein Bau der Roten Waldameise.
Im Hintergrund links ist der Umriss eines alten Bunkers zu sehen.
Ein Wildrosenstrauch.
Zurück nach Hause...




Ich würde mich ja freuen, wenn hier ab und an auch der eine oder andere gut Pflanzenkundige mitliest und mir weiterhelfen kann. Wer kennt die mir bisher unbekannte Pflanze? Wir begegneten ihr auf unserer Tour an einer Stelle in großen Mengen. Unten drei Fotos von der hier in Größen zwischen 50 cm und 2 - 3 m Höhe vorkommenden strauchig wachsenden Pflanze, die sich hier offenbar auch in trockenen Zeiten wohlfühlt und verbreitet, nach einer früher aus einem anderen Waldgebiet erhaltenen Aussage blüht der Strauch gelb und erinnerte die Auffinderin an eine Robinie. Die Blätter erinnern von der Haptik her tatsächlich an Robinenblätter, es ist aber keine Robinie. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und glattrandig. Die Früchte sind braun und sitzen zu mehreren an einer Art Rispe, was vielleicht Rückschlüsse auf die Blüten zulässt.











Regelmäßig am ersten Donnerstag im Monat veröffentliche ich in der Reihe "Naturdonnerstag" einen Beitrag über Bäume, meine Beziehung zu ihnen und manchmal erzähle ich aus Geschichten von Bäumen. Ich singe Loblieder auf die Baumwesen und meine Liebe zu ihnen ist nicht zu übersehen. Denn wo ich auch hinkomme, gehe ich auf Entdeckungsreise zu Bäumen. "Mein Freund, der Baum".









 
Wer möchte, kann mitmachen. Habt ihr einen Baumfreund? Oder gleich mehrere? Pflanzt ihr selber Bäume? Und welche? Habt ihr einen Hausbaum? Oder kennt ihr Wälder, Friedhöfe, Parks, Straßen mit Bäumen? Stellt sie uns vor und teilt eure Baumbegeisterung mit uns. Übrigens - es müssen nicht unbedingt Fotos sein von Bäumen, die ihr veröffentlicht. Gern könnt ihr euch auch anders kreativ euren Bäumen nähern und sie uns nahebringen.


Den Natur-Donnerstag bekam ich im April 2017 von Jutta zur weiteren Pflege anvertraut. Hier könnt ihr auch in ihre 78 Sammlungen noch einmal hineinschauen. Und hier findet ihr alles, was sich inzwischen bei mir versammelt hat.  


 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Ghislana,
    der Fruchtstand der Robinie sieht tatsächlich anders aus. Aber ich kann mich erkundigen, aber vielleicht weiß Jemand schon jetzt Bescheid?

    Es ist doch toll, wie der Wald sich seinen "Besitz" wieder zurückerobert hat und du die Stelle wieder gefunden hast.

    Dass Totholz sehr wichtig ist - auch wenn manche Menschen meinen, dass das unaufgeräumt aussieht -, sollte man ja wissen.

    Wölfe, ja gerne, denn der Wolf ist so ein scheues Tier, der nur angreift, wenn er Hunger hat und da wir hier unglaublich viele Wildschweine haben, hat er wohl genug Nahrung. Leider aber geht der Trend hier auf Abschuß, leider!

    Ein interessanter Bericht und hab lieben Dank für die Aktion, ich hoffe, dass der Kommentar nun erscheint.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Liebe Ghislana,
      bist du dir sicher, dass diese Früchte aus diesem Baum kamen?
      LG Eva

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    2. Gut, dann suchen wir weiter, es eilt ja nicht. ;-))

      LG Eva

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  2. Wunderschön ist da oben, liebe Ghislana. Solche Orte sollte es noch mehr geben. Ghislana, hast Du es schon gehört? Wir hier am Niederrhein sind nun auch offizielles Wolfsland. Ist das nicht toll?!! Eine junge Wölfin hat sich auf der anderen Rheinseite niedergelassen. Ach, ich finde es einfach wunderbar! Naturverbundene Grüße, Nicole

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  3. Ja alte Bäume werden immer seltener. Schön das er bis zum verfall dort stehen darf

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  4. Herrlich in so einem Naturbelassenen Wald zu spazieren, deine Bewunderung für das gefundene Waldstück kann man an deinen Fotos gut sehen. Stell dir vor bei uns werden die Waldwege zum teil mit Laubbläser gesäubert:-(
    L G Pia

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  5. Die Fotos im Post lassen tatsächlich die Fruchtstände besser erkennen und sehen anders aus als bei der Federspiere, fürwahr. Aber wir werden es herausbekommen 😉
    Eine spannende Wildnis hast du da (wieder)entdeckt! An solche Bunker erinnere ich mich aus Kindertagen. Und ja, die C.D.Friedrich -Eiche....
    Wenn du hier wärst, würde ich mit dir am Samstag nach Hambach fahren. Dem Herrn K. Kann ich solche Aktionen nicht mehr zumuten, muss dieser Tage immer an die Erlebnisse vor einem Jahr denken...
    Pass gut auf dich auf!
    Astrid

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  6. Interesting post. Beautiful shots.
    Thank you for hosting.

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  7. Das ist ja ein tolles Waldgebiet und Du bist ein Glückskind, es so nah vor der Haustüre zu haben. Ich hätte auch erstmal auf Robinie getippt. Mal sehen, was sich finden lässt.
    LG
    Magdalena

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  8. Ein schöner, wilder Wald,kein Wunder, dass sich der Wolf in der gegend wohlfühlt und sich dauerhaft angesiedelt hat.
    Bei uns in NRW ist jetzt der erste gesichert da und schon schreien alle nach Abschuss, am lautesten die Schäfer und Jäger, dabei bekommen sie doch für gerissene Tiere eine Entschädigung.

    Liebe Grüße
    Arti

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  9. Ein wunderschöner Beitrag !Ein vorbildlicher Wald !ja, Wölfe habe ich in unserem Wald noch keine gesehen,aber sie sind da. Auf Bild 7 ist es ein Hornissennest,schon durch Vögel ausgeraubt? Die robinienartigen Büsche sind in unserem Dorf auch. Gelbe Blüte,Leguminose,gemeiner Erbsenstrauch ??Caragana arborescens? LG Bienekatja Buchkleid

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  10. Liebe Katja, mit dem Hornissennest bin ich mir nicht sicher, es war absolut ruhig dort und es sah eher aus wie Holz. Den Erbsenstrauch hatte ich auch in der engeren Wahl, aber die Früchte passen nicht und im Gegensatz zu meinem Strauch hat er paarig gefiederte Blätter...

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  11. Was für ein wunderbarer, urwüchsiger Wald! Ach, ich wünschte, davon gäbe es mehr in unserem Land.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Liebe Ghislana,
    danke für diesen zauberhaften und verzaubernden Baum-Post! Deine Bilder liesen mich lächeln ...
    Ich wünsche Dir noch einen zauberhaften Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  13. Beeindruckend. Solche Wälder gibt es ja kaum ...

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  14. Hallo Ghislana,
    das war wieder ein schöner Streifzug durch den Wald.
    Ich denke auch, das es bei Deinem Strauch eher in Richtung 'Hülsenfrüchtler' geht. "Klick"
    LG Heidi

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    1. Danke für deine Suche, doch bei Senna sind die Blätter paarig gefiedert, bei meinem Strauch unpaarig. Auch die Früchte sind nicht ganz das, was ich vorgefunden habe... LG!

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  15. schön, dass wir zu diesem waldkleinod mit dir gehen durften! es ist wirklich eine große freude, diese alten baumgesellen betrachten zu können. ich kenne sie noch aus meiner kindheit aus dem reinhardswald bei kassel. da gab es damals schon ein schutzgebiet, das auch heute noch "urwald" genannt wird und wo diese caspar-david-friedrich skulpturen standen und noch stehen. sie haben mich damals schon tief beeindruckt. deshalb hab ich wohl eine besondere affinität zu eichen.
    den strauch kenne ich auch, weiß aber leider nicht, was es für einer ist.
    liebe grüße
    mano

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  16. Ich mag deine Naturpost so gern lesen und finde toll,wie schnell du in der Wildnis bist.Für Hambach habe ich gleich noch zwei Petitionen unerschrieben, es wäre toll, wenn die sich ganz zurückziehen müssen, aber im juristische Dschungel findet sich oft ein Schlupfloch.
    Eventuell könnte es sich um einen japanischen Schnurrbaum handeln.
    viele Grüße, Karen

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  17. sehr schöne Bilder
    ein richtiger verwunschener Wald
    schön dass man ihn so läßt wie er ist
    zu deiner Pflanze habe ich etwas gefunden
    Bastardindigo
    sieht jedenfalls fast so aus ;)

    liebe Grüße
    Rosi

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  18. In solchen Urwäldern herrlichen herumzustromern, ist immer eine besondere Freude und Erlebnis, denn es gibt doch immer sehr viel mehr zu entdecken, als in sterilen, gewarteten Wäldern. Hier ganz in der Nähe gibt es auch einen Urwald mit den knorrigsten Eichen! Aber die schönen, hohen Kiefern sind wohl nur bei euch oben zu Hause. Immer, wenn ich sie auf Fotos von dir sehe, kann ich ihren Duft förmlich riechen.
    Grüße von Ulrike

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    1. ...nach diesem Strauch, bzw ihn zu bestimmen, habe ich auch bisher vergeblich gesucht. Bei uns ist er mir auch schon einmal aufgefallen. Ich glaube, Rosi liegt mit dem Bastardindigo ganz richtig, habe ich gerade gegoogelt! Was meinst du, Ghislana?

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken.
Bitte aber keine anonymen Kommentare.