Montag, 7. September 2015

Papierliebe (Montags-Mandala 56)


Vorbereiteter, entwässernder Rohstoff aus Altpapier zum Schöpfen

Veränderung
ist diesen Monat lang das Papierliebe-Thema bei Susanne vom Blog Nahtlust. Ich verändere Altpapier und schöpfe daraus neues Papier für Briefkarten und Collagen und nehme noch so dies und das dazu. Am letzten Sonntag war ich hier in Prieros zum Papierschöpfen anlässlich des 60. Geburtstagses des Heimatmuseums. Zwischen dem Museum im 250 Jahre alten Fachwerkhaus und der Linde aus der letzen Folge "Mein Freund, der Baum" baute ich meinen Stand auf zum Fest, das der Heimatverein vorbereitet hatte. Am Tag zuvor hatte ich vier Stunden lang Papierbreie und Zubehör eingeweicht, gemixt, zusammengesucht, gepackt... Der Gefährte fuhr mich am Morgen mit Sack und Pack zum Dorfanger, dann musste er weg. Egal, Hauptsache, ich war erst mal da. Alles Weitere würde sich schon finden.


Mir gegenüber baut eine Keramikerin ihren Stand auf, rechts daneben kann man zum Heimathaus hinschauen.
Hinter mir konnte ich von der Feuerwehr meinen Strom für die Mixer beziehen und rechts daneben die alte Linde sehen.
Man sieht der alten Linde an, wieviele Federn, Äste sie lassen musste, aus Sicherheitsgründen, sie steht neben der Straße am Dorfanger. Doch wie gut, unermüdlich hat sie auch dieses Jahr ausgetrieben.

Zwei Wannen mit Pulpe (Papierbrei), eine Wanne mit Brettern und Filzen zum Abgautschen, eine Ablage für die frisch geschöpften Papiere und die Schöpfrahmen sind bereit.



Die ersten Probepapiere sind vor Beginn des Festes schon geschöpft und werden auf den Gautschtüchern zum Trocknen aufgehängt. Die Papierpresse habe ich diemal nicht mitgenommen, zu schwer. Die Papiere an der Leine locken Zuschauer an, und Mutige, an diesem Tag vor allem Kinder, die das Schöpfen selbst einmal probieren wollen.




Ein Körbchen mit 50 geschöpften Doppelkarten, ein Ordner mit Beispielen aus fast 20 Jahren Papierschöpfen, meine Lieblingspapiere und die Bücher einer meiner Lehrerinnen liegen für die Besucher bereit zum Anschauen. Von den Karten im Körbchen werde ich am Ende zwei Dutzend verkauft haben, kleiner schöner Nebeneffekt der Mühen. An der Linde neben dem Tisch schauen 100e Feuerkäfer in allen Larvenstadien dem Treiben zu. Es war schönstes Sommerwetter, das unter dem Schatten der Bäume auf der Dorfaue gut auszuhalten war.

Feuerkäferlarven.

Vor dem Heimathaus hatten die Butterfrauen ihr Quartier bezogen und schlugen unermüdlich frische Butter. Die leckeren Butterstullen gingen nachher weg "wie warme Semmeln".





Neben mir richtete der Grafiker Elmar Huxoll sein Atelier ein. Er zeichnete Schnellporträts, ein begehrtes Souvenir vom Fest. 





Herbstliches Lindenblatt in der "Bütt".
Aufgeschöpft und eingeschöpft: Wespennest-Material


Meine Leinen füllten sich mit trocknenden Papieren, der Festbetrieb in angenehmster Stimmung ließ mir dann überhaupt keine Zeit mehr zum Fotografieren.... Es wurde geguckt, geplaudert, ausgesucht und von einigen der feste Vorsatz gefasst, in einer meiner Doppelkarten doch auch mal wieder einen richtigen Brief oder mindestens einen persönlichen Gruß zu schreiben, einen zum Anfassen... 

Foto: D. T.

Foto: D. T.
 
Unter anderen, zum Teil auch seit Jahren nicht mehr gesehenen Bekannten aus dem Ort, besuchten mich meine überüberübernächsten Nachbarn am Stand und machten ein paar Fotos. Sie waren dann auch so freundlich, mich abends mit dem Auto abzuholen mit all meinem "Pröttel", so dass mir umständliches Zwischenlagern im Heimathausgarten erspart blieb... Ich schicke dann mal noch ein Dankeschön durch den Äther in den blühenden Garten ein paar Zäune weiter... Es ist schön, hilfsbereite Menschen zu kennen.


Eingeschöpftes Mahonienblatt und eingeschöpfte Fäden auf kleinen Klappkarten (A7), noch nicht gepresst.

Ein Teil der "Festausbeute", sie kommt nun zu Hause noch einmal unter die Presse .

Von meinen drei Klumpen Papierbrei war noch etwas übrig, so dass ich zu Hause noch weiterschöpfte, als das Wetter es draußen wieder zuließ. Alle möglichen Papier- und Faden-Reste von meinem Werktisch, u. a. vom Schnippeln dieser und dieser Muster kamen in die Pulpenwanne.





Man glaubt es kaum, aber auch das Trocknen dauert noch einmal seine Zeit, je nach Wetterlage und Raumklima bis zu einigen Tagen. Bei Sonnenschein auf die Leine gehängt geht es flott. Doch ohne Sonne und mit Regen von oben, bleibt nur dies: Die Papierblätter werden nach dem Antrocknen von den Gautschtüchern gezogen und auf Zeitungspapier gelegt, das langsam die Nässe aufnimmt und immer wieder gegen trockenes Papier ausgetauscht werden sollte. Da ist's gut, dass wir ausführlich eine Sonntagszeitung lesen... und z.z. noch länger frühstücken als sonst, weil miteinander reden hilft und die Gedankendschungelwege erhellen kann. Es gibt kein Ignorieren und Vorbeimogeln an brennenden Themen. Zumal sie nun sehr viel unmittelbar da sind als sonst so in der Ferne, hier unter uns angekommen sind, als Menschen, die unsere Hilfe brauchen, und nicht nur hier. - Da diesmal auch rundes Papier entstand, habe ich daraus heute das Montags-Mandala gelegt.



Die zarten, federleichten Nigella-Samenstände behutsam in den Händen zu halten ohne ihre feinen meine Finger kitzelnden Borsten abzubrechen..., in den Hüllen die reifen Samen leise klappern zu hören..., die Erinnerung an die blauen Blüten in der Obstkiste, Freude aufs Aussäen im kommenden Frühjahr, Kreislauf des Lebens. Achtsamkeit, die ich gerne in diese Woche mitnehmen möchte, in mein Empfinden, Denken und Tun. 



Und ganz unvermutet habe ich heute morgen auch bei Tabea Mandalas gefunden, wunderschöne Blumenmandalas.

Bei Susanne heißt diesen Monat die Papierliebe: Veränderung.

Ich habe Fotos für eine Anleitung zum Papierschöpfen gemacht. Von fast allen Schritten (denn manchmal habe ich es blöderweise dann doch vergessen, so in der Schöpf-Trance...) Einige unter euch haben sich mal eine Anleitung von mir gewünscht, die gibt es dann morgen hier.

Donnerstag, 3. September 2015

Die liebe Astrid...




hat mich beschenkt..., danke! und so tolle Fragen gestellt, dass ich nicht nein sagen kann und mich auf das Abenteuer einlasse die Fragen zu beantworten... Astrid gehört zu denjenigen, die mir durch das Bloggen ans Herz gewachsen sind: durch die Fülle ihrer so sorgsam recherchierten und so aussagestark bebilderten inhaltsreichen Posts - z. B. Posts der Reihen "Great Women" und "Raif Badawi", durch herzliche Mails hin und her und auch durch eine erste persönliche Begegnung in Köln. (Da mir das ähnlich auch mit anderen bloggenden Frauen geht, widme ich euch allen meine virtuelle Postkarte... Dabei schreibe ich an einige unter euch auch gern "richtige" Post, und die kommt auch, versprochen!)





Astrid fragt mich (und vier weitere liebste Bloggerinnen), und ich sag mal was, meist ziemlich Unvollständiges, denn die Fragen finde ich ziemlich groß, da passt soviel rein..., mehr, als ich euch zumuten will... (meine Schulaufsätze waren immer die längsten, aber ich habe es geliebt...), und zur Erholung schiebe ich mal auch noch ein paar Fotos vom 12tel Blick, von Licht und Schatten und Himmel (alles von meinem See um die Ecke) hinein.


Was bedeutet für dich Kreativität? 

Sich von Vorhandenem, Gefundenem, Erlebtem, Irritierendem inspirieren lassen zum Verarbeiten, zum Gestalten, zum Inbeziehungsetzen, zum Neukombinieren, zum Überdenken, zum Weiterdenken, zum Neuerfinden, zu Wandel... Und das meine ich jetzt nicht nur in Bezug auf das handwerklich-künstlerische Kreativsein. Ich sehe unser aller Kreativität schon lange, und aktuell erst recht, vor Riesenherausforderungen - auf dem Weg zu einem friedlichen und gerechten Miteinander aller Menschen, auf dem Weg zum Frieden mit der Natur, zu der wir untrennbar gehören, und zu - wirklich - nachhaltigem Lebensstil. Zuversicht schöpfe ich daraus, dass unsere Kreativität wohl sehr viel mehr und sehr viel größer ist als all unsere wunderschönen gebastelten und genähten Dinge zusammen.  

 
Und was bedeutet die Kreativität für dein Leben? 

Seit ich - Kreativität im engeren Sinne jetzt also gemeint - wieder mehr aktiv kreativ arbeite (ganz weg gelassen habe ich es ja nie), merke ich, dass das auch immer Auswirkungen hat auf andere Lebensbereiche. Ich assoziiere viel und verknüpfe gern, auch scheinbar Unmögliches. Ich werde ruhig, wenn ich mit den Händen arbeiten kann, komme zu mir, bin bei mir.

Ist sie notwendig für deine "Work-Life-Balance"? 

Ich weiß nicht mehr wo, aber neulich habe ich gelesen, dass die "Work-Life-Balance" ja fälschlicherweise suggeriert, dass man "noch" ein Leben neben der Arbeit, neben dem Beruf hätte, also zwei? Das Leben ist aber doch unteilbar, auch ein Beruf, der im günstigsten Fall eine Berufung ist, gehört dazu. Ich habe aber selber die Reibungen zwischen dem selbstbestimmten Leben, das ich führen wollte und der Angestelltentätigkeit schließlich so sehr empfunden und darunter gelitten, dass ich rausgegangen bin aus den von mir auch mit größter Mühe nicht änderbaren Bedingungen. Raus aus der Angestelltentätigkeit in die Selbstständigkeit und befristete Teilzeitjobs mit tollen Arbeitsinhalten auf der einen, mit erheblichen Einkommenseinbußen auf der anderen Seite. Ich glaube, das war schon ziemlich kreativ, ich kenne in meinem Umfeld eigentlich keinen Menschen, der einen solchen Weg gegangen wäre. Die Sorge an "Status" zu verlieren, nicht mehr "mithalten" zu können, ist dann im Zweifel oft doch ziemlich groß. Ich kann da nur ermutigen. Ich bin mit schmalerem Salär inzwischen doppelt so glücklich, mindestens. Auch weil ich mehr Zeit habe, kreativ zu sein, mit meinen Händen etwas zu gestalten, das bedeutet mir so viel mehr als mir irgendein teures neues Gerät in die Küche zu stellen, das man angeblich haben müsste, weil's anders nicht mehr ginge. 

12tel Blick 31.8.15


Was regt dich an? 

Schon immer fliege ich auf interessante Farben, Formen und Strukturen. Ich kann irgendwo anhalten und ewig einen Stein oder einen Baumstamm oder eine Dolde betrachten, befühlen, weil mich irgendetwas daran sehr fasziniert. Dann setze ich mich gern dorthin, mitten im Wald, was gelegentlich zu besorgten Fragen führt, ob mir etwas fehle, aber meistens bin ich ja da draußen allein. Neben der Natur sind es vor allem Bücher, die mich anregen, moderne Kunstwerke, oder Kinder in ihrem stillen verinnerlichten Spiel, Musik, die Farben eines Kalenderfotos..., der Garten, ach, da gibt es so viel. Stille, besonders in der Natur draußen, beflügelt mich geradezu. Alte Materialien, ich arbeite - außer bei Farben und Kleber - fast ausschließlich mit Natur- und Altmaterialien. Auch einige Techniken regen mich an, besonders die, die ein absolut perfektes, voll geplantes und vorhergedachtes Ergebnis einfach nicht erlauben, wie Wachsbatik, Papierschöpfen, experimentelle Drucktechniken, freie Textilgestaltungen... Da kommt beim Arbeiten was in einen Fluss, dem ich mich überlassen kann, das liebe ich sehr... Und was rauskommt, ist meins, und da stecken oft Erinnerungen, Gedanken, Sorgen, Hoffnungen drin... Ich habe da auch sehr sehr gute Lehrerinnen und Lehrer haben dürfen, in vielen, vielen Kursstunden.





Welche Blogs inspirieren dich? 

Die Bloggerwelt und die sich in ihr äußernde Kreativität ist schon eine große Inspiration, noch mal eine andere als z. B. Bücher, mit denen man ja meist irgendwie allein bleibt. Ich arbeite tatsächlich auch ganz gern allein, aber die Rückmeldungen, die z. B. an MüllerinArts  Mustermittwoch zwischen den verschiedenen Blogs hin und her gehen, sind oft so anregend für die eigene Kreativität. Da könnte ich hier lange durch meine nur dünn bewohnte Straße gehen, bis ich jemandem begegnen würde, der am Mustern, einfach so, was Sinnvolles fände... Inspirierende Blogs sind die, wo mein Blick an guten Fotos hängenbleibt, wo gut geschriebene Texte etwas Echtes erzählen, wo Eigenständiges geschaffen wird, wo ich spüre, da ist jemand achtsam, wertschätzend und ohne Eigennutz unterwegs, liebt die Natur, versucht nachhaltig zu leben und nicht besitz- und konsumbesessen, ist einfach authentisch und menschlich. Auch das muss man lernen, sich in dem Riesenangebot zu orientieren. Reine Deko um der Deko willen, möglichst trendy und zu jeder Jahreszeit neu gekauft, künstlich, interessiert mich z. B. überhaupt nicht. Das mag vielleicht schick sein, aber es lebt nicht


 

Welche großartige Frau inspiriert dich oder ist Vorbild? 

Ich hab's nicht so mit Vorbildern. Aber eine gibt es da: Das ist die Pianistin Alice Herz-Sommer, die mit ihrem kleinen Sohn ins KZ Theresienstadt ging und ihr Schicksal mit solcher Würde und solcher Kreativität annehmen konnte und meisterte, dass ihr Sohn später sagte, er hätte in Theresienstadt eine glückliche Kindheit gehabt.... Sie wurde 110 Jahre alt, bis zuletzt bei klarem Verstand und täglichem Klavierspiel. Als eine neue Mitbewohnerin im Seniorenheim meinte, dass hier jemand einfach jeden Tag Klavier spielt, das passe nicht hierher, meinte der Heimleiter nur zu dieser Frau, dann würde sie wohl nicht hierher passen. Wohlgemerkt, Alice übte ja nicht mehr in dem Sinne, sondern sie machte Musik, und dass diese Musik eines Tages dann doch für immer verstummte, hat die Mitbewohner/innen sehr traurig gemacht. Ihre Gabe, auch in furchtbaren Situationen den Blick für Schönes nicht zu verlieren, an das Gute zu glauben, es selber ganz selbstverständlich unter den schlimmsten vorstellbaren Bedingungen zu tun und so reich ihr herzliches Lächeln zu verschenken, beeindruckt mich tief. Ich bin an der Schwelle des Älter- und Altwerdens angekommen. Und möchte mir eine dicke Scheibe von Alices Lebensfreude und Güte bis in hohes Alter abschneiden...
 
Über welche großartige Frau möchtest du gerne mehr wissen? 

Käthe Kollwitz. Auch so ein Frauen-Leben, das ich bewundere. Sie verliert einen ihrer Söhne im 1. Weltkrieg, ist eine so große Künstlerin und Friedenskämpferin. 



Hast du eine Lieblingsautorin oder - malerin? 

Die Auswahl fällt wieder schwer... Bei den Lyrikerinnen sind es u. a. Rose Ausländer, Mascha Kaléko, Hilde Domin, Eva Strittmatter... Bei den Malerinnen Paula Modersohn-Becker. Bei zeitgenössischen Romanen kenne ich mich wenig aus, kenne kaum Autorinnen und Romane gehören auch zz. nicht zu dem, was ich bevorzugt lese, und wenn ich da wieder rangehe, dann sind es da eher männliche Autoren und eher Klassiker, wegen der Sprache..., da wüsste ich jetzt schon, wo ich hingreife im Bücherregal. Es gibt ein Lieblings-Kinderbuch, Neitah, von Edith Klatt. Das habe ich als Kind mindestens zehnmal gelesen und mir vor einigen Jahren wiedergekauft, denn mein Exemplar ist wohl zerlesen worden, sonst wäre es bestimmt noch da. Unter anderem zu diesem Buch führt immer wieder meine Spurensuche, wenn ich mich damit beschäftige, wo meine so intensive Naturbeziehung herrühren mag. Die Geschichte erzählt von einem kleinen heimatlosen Mädchen in Lappland, das wandernde Rentierhirten mit auf ihre Züge mit den Tieren nehmen. Fast alles passiert draußen. Schlafen bei Frost und Schnee, eingerollt in Rentierfelle unterm Sternenzelt, das Köcheln der Suppe auf dem knackenden leuchtenden Feuer. Das Lauschen in die Nacht zu den Stimmen der Männer am Feuer. Der melodische Vokalisen-Weckruf am Morgen. Das hat mich alles ungeheuer beeinduckt, fasziniert und fast magisch angezogen. Da war viel Herbes und Hartes, aber es fühlte sich gut und richtig an, nicht beängstigend. Es ist so da draußen und es ist gut so, alles mit allem verbunden. Etwas, was uns modernen Menschen mehr und mehr abhanden kommt, das Sein im Lebensnetz. Auch als Erwachsene habe ich es gern wieder gelesen. Sicher war auch das ein Reiz: es ist in keiner Weise "niedlich" oder "kindlich" oder "kindertümelnd" geschrieben. Es ist Literatur, für Kinder. Ich vermute, ich war damals so 11 oder 12, als ich es das erste Mal las. 




Wenn ja, kannst du ein Buch oder ein Bild empfehlen (zeigen)? 

Das Lieblings-Kinderbuch kennt ihr ja schon. Eine Auswahl aus Paula Modersohn-Beckers Bildern hier im Online-Lexikon... (es ist so schwierig mit den Urheberrechten keine Fehler zu machen...) Zu meinen liebsten zählen neben ihren so starken Porträts immer wieder die Birkenbilder... Und von einigen "meiner" Dichterinnen nun hier kurze Texte, die mich - immer wieder neu - berühren.


Spur
Mein ist der Morgen in Wäldern.
Die Stille, die von Sternen fällt.
Die erste Spur hin zu den Feldern.
Und ich erschaffe mir die Welt.
Eva Strittmatter


Heimweh, wonach?
Wenn ich »Heimweh« sage, sag ich »Traum«.
Denn die alte Heimat gibt es kaum.
Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:
Was uns lange drückte im Exil.
Fremde sind wir nun im Heimatort.
Nur das »Weh«, es blieb.
Das »Heim« ist fort.
Mascha Kaléko


Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten 
Hilde Domin







Meinst du, dass Kunst & Kultur die Welt besser machen? 

Allein können sie das wohl auch nicht, aber sie können schon dazu beitragen. In jedem Falle haben Kunst und Kultur ja Möglichkeiten des poetischen, verdichteten, bildnerischen und musikalischen Ausdrucks, wo die Ausdrucksmöglichkeiten der Alltagssprache, der Politik, des "Nur-Logischen", gerade im gesellschaftlichen Diskurs, versagen oder zumindest an Grenzen stoßen. Kunst vermag Augen zu öffnen. Kunst vermag zu irritieren. Kunst vermag die Perspektive zu ändern. Etwas, das im Alltag ja oft so schwer fällt und doch von so alter Weisheit ist: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Andern zu..." (Eva Strittmatter drückt es in ihrem Gedicht "Gott" (sie war Atheistin) so aus: "Aber ich achte das Prinzip: Nehmt voneinander eure Bürde und: Habt den andren Menschen lieb, er ist wie ihr.") Man kann das üben, Perspektivwechsel, sich in die Lage eines Anderen hineinzuversetzen. Auch am Beispiel der Musik habe ich schon manchmal mit erfahren können, wie Unterschiede unwichtig werden, wie wunderbar das Gemeinschafts-Erlebnis zusammen zum Klingen gebrachter Musik ist, wie Gräben überbrückt werden können, indem man gemeinsam handelt. Hört euch einmal ein international besetztes Jugendorchester an und ihr versteht, dass der Menschen eigentliches Wesen nicht  Eigennutz, Konkurrenz und Leben mit Feindbildern ist. Und aus der Kunsttherapie weiß ich, wie sehr man durch kreativen bildnerischen Ausdruck auch etwas für die Beziehung zu sich selber, zum seinem ureigenen Wesen tun kann, sich besser erkennen und Bestärkung im Handeln finden kann. Was der Kopf mit all seinem Denken und festgefahrenen Denkmustern nicht klar kriegt, fließt manchmal aus dem Pinsel aufs Papier und liegt dann ganz offensichtlich da. Plötzlich ist das Herz im Spiel.


Was würdest du gerne an andere Bloggerinnen weitergeben?

Traut euch etwas zu. Traut euch kreativ, lebendig und verbunden zu sein mit allem Lebendigen. Und zu lieben, was da lebt, auf eure Weise. Unsere Herzen sind groß. Eng sind sie nicht. Eng werden sie gemacht.

Losungswort

Ich schwöre es
das Losungswort
heißt
Liebe

Rose Ausländer


Meine Lieblingsblogs - das sind weit mehr als die fünf hier - aber heute sind sie es, die ich einladen möchte, meine 10 Fragen zu beantworten und hiermit nominiere.

manos welt     
Birgit mit olann 
janas kreatives tagebuch 
dania mit ihrem zweitblog waldsinnen
Lisa mit strohzugold

Meine Fragen (und ihr lieben fünf Bloggerinnen, natürlich müsst ihr nicht, wenn ihr nicht mögt...)

An welches Naturerlebnis aus deiner frühen Kindheit erinnerst du dich gern? - Was passiert, wenn du rausgehst, um Natur mit allen Sinnen zu erleben? - Welche Landschaften magst du besonders? - Wie sieht er aus, dein Garten oder der deiner Träume? - Was geht in dir vor, wenn du dir die Zeit gibst einen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang bewusst zu erleben? - Inwiefern beeinflusst Natur deine Kreativität? - Kannst du uns gute Beispiele zeigen, was Gärtner und Gemeinden für die Vielfalt der Lebendigkeit, für wilde Blumen, Insekten, Vögel... tun? - Was meinst du - inwiefern beeinflusst der Umgang mit Natur auch unseren Umgang mit Menschen? -  Welche Bücher liest du gerade und warum? - Angenommen, ich käme irgendwann mal dorthin, wo du lebst. Was würdest du mir für einen Tagesausflug in die Natur deiner Region empfehlen? 


Foto: J. B.






















12tel Blick bei Tabea
Weekend reflections bei James
180 ° - Licht und Schatten bei Eva
In heaven bei Katja
Virtuelle Postkarten bei Lotta 

Dienstag, 1. September 2015

Schüssel-Liebe - Farben aus meiner Küche...



Das Thema Küche hat Michaela für diesen Mustermonat September ausgewählt. Das liegt bei mir auch nah dran am Thema vom August: Folklore. Nicht dass ich nur Folkloristisches in meiner Küche hätte, aber auch... Manches gezielt gekauft, ergänzt, geschenkt bekommen, geerbt, aber - meiner Meinung nach - immer so zusammen passend, dass es auch mal "Durcheinander" auf dem Tisch geben kann, wenn sich Gäste ansagen oder für ein buntes Essen viele Schüsseln gebraucht werden. Vermutlich liegt es am Farbkonzept, dass man solches Durcheinander aushalten kann, irgendwie hält dann auf einem farblich passenden Tischtuch oder auf der Holztischplatte alles zusammen ;-). 


 
In der Hauptsache gibt's drei Farben in meiner Küche: Blau, Braun, Weiß. Ein paar Ausflüge in andere Farbspektren gibt's natürlich, aber Knalliges fehlt so ziemlich komplett. Da bin ich wohl (auch) meiner Mutter Kind...

 
Die Kompottschüsseln meiner Jugend, von den Eltern aus Tschechien mitgebracht. Drei sind noch da und bei mir.

Suppen- oder Salatschüsseln (oder, oder...), vor ca. 5 Jahren auf einem Keramikmarkt in Freiberg gekauft. Diese Farbüberlagerungen durch die Glasuren finde ich gerade sehr spannend...

Kaffeebecher - als Duett Geschenk des jüngsten Bruders aus Ostseenähe, von mir um ein Quartett beim selben Keramiker ergänzt, inzwischen auch schon ein halbes Dutzend Jahre hier...

Sehr alte Liebe - in Studentenzeiten in Berlin im Bulgarischen Kulturzentrum Unter den Linden gekauft, vor ungefähr 40 Jahren: Bulgarisches Pfauenaugenmuster. Seit mehreren Jahren unsere Lieblings-Abendbrotteller.
Vom Gefährten aus Japan mitgebracht - ein Zweiergespann feiner Teebecher.

So sieht es im Teebecher aus. Blauweiß.

Blauweiß - dank einer schwesterlichen Schenkung üppig vorhanden und gemocht und von Anfang an in meiner Küche von den Farben her dominierend. Der weißblaue Milchbecher war mal mein Trostpflaster auf einem komplett danebengegangenen Ostermarkt bei Kälte und Regen auf dem Alexanderplatz in Berlin, lange her. Zuhause habe ich sofort einen heißen Kakao daraus getrunken.



Ein paar typische Töpfe, Teller und Schüsseln waren mal schnell im Garten aufgebaut. Und fürs Mustern fand ich die Farben (auf der Suche nach was ganz Anderem...): ein paar erhaltene Blätter aus einer 1976 in Sibiu/Rumänien erschienenen "DIN ORNAMENTICA ROMANA" (über 200 Stick- und Webmuster überwiegend aus Siebenbürgen/Nachdruck einer Ausgabe von 1906) in ihrer schon lange für andere Papiere genutzten Mappe, mir mal auf dem eigentlich vorgesehenen Weg zum Papiercontainer "zugelaufen".




Auch im "Musterbuch" ist der Übergang vom Weben zum Küchenmustern durch diesen Zufalls-Papierfund fließend geworden... An Webmustern habe ich ein paar alte Funde ergänzt, Schnipsel aus einem grau-bordeauxroten Wolltuch, das mir meine Mutter einst schenkte und das nun dünn und fusselig geworden ist, von einer Tagesdecke, die vor vielen Jahren mal das Bett abdeckte, lange bevor meine Sehnsucht nach wärmeren Farbtönen entbrannte. Zwei Schüsseln draufgestellt, aus Stoff von einer alten verrückten Hose aus Indien aus den 70ern. Und natürlich ein paar der Webmuster aus den heute verwendeten Papieren auf den nächsten Seiten.





Ich liebe Schüsseln. Dass bei mir die geliebten Antipasti in Verkaufsverpackungen auf den Tisch kämen, kommt nicht vor, nein, Schüsseln müssen sein..., viele Schüsseln. Und so gibt's auch diesmal Schüsselmuster. Aus den rumänischen Webmustern Kreise gestanzt (huhu, Mano!), mal gerade mal "schräg" halbiert und aufgeklebt auf ein Inhaltsblatt der alten Mappe, ohne Hilfslinien... Dass bei manchen Schüsseln ein deutlicher Boden sichtbar ist, war keine Absicht, sondern "Verstanzen", aber ist doch gut so ;-). Und je länger ich hingucke, desto mehr gefällt mir nicht nur das Schüssel-Musterblatt, sondern auch das ein oder andere Schüssel-Design...





Zum Muster-Mittwoch geht's hier entlang. Ich bin schon so gespannt!

Wenn bei irgendwem die Kreativität überschäumt: Bis Mittwochabend könnt ihr noch in der Bilder-Pingpong-Runde 8 mitspielen, oder - mit mehr Vorlaufzeit - in der Runde 9, für die Birgitt diesmal Gastgeberin ist und ein ganz verrücktes Foto ins Spiel gebracht hat...

Ein Blick zum Creadienstag darf auch mal wieder sein.