Nach dem Trocknen - Batik ist ein langwierigerer Prozess mit vielen Wartezeiten zwischen den Färbungen ;-), die ich entweder für andere kreative Arbeiten oder im Garten zum Gießen nutzte - folgte der nächste Wachsauftrag auf die hellgelben Stellen, die "bleiben" sollten, d. h., sie wurden "reserviert", ein paar neue Baumäste und Sonnenflecken. Darauf kam mit dem Pinsel die nächste Farbe, diesmal ein ganz frisch angerührtes intensives Gelb. Oje, eine durch meine Unachtsamkeit hereinbrechende "Katastrophe": für den Farbansatz mit weniger Wasser als vorgeschrieben hatte ich aber genausoviel Salz wie ursprünglich vorgeschrieben eingerührt... Gesättigte Lösungen...? Hatten wir mal in der Schule... D. h., das Salz löste sich nicht komplett und kristallisierte auf meinen Batiken. Allzu grobe Strukturen konnte ich mit einem feuchten Lappen anlösen und entfernen, dennoch blieb's "wolkig", wie man dann beim nächsten Farbauftrag sehen kann. Insgesamt verlieh es dann aber der Batik eine interessante lebendige Struktur... (War mir das mit dem Salz nicht auch schon bei der Adventspost "Farbstreifen" passiert?...) Übrigens behaupte ich immer, die Atmosphäre der Umgebung wandert mit in meine kleinen Schöpfungen ein, mal unbewusster, mal gezielter, je weiter ich kam, desto mehr kam vom sommerlichen Gartenlicht aufs Papier.
Nach dem Trocknen und Salzabwischen wurden vor allem Sonne und Sonnenstrahlen in dem intensiven Gelb mit heißem Wachs reserviert, dann kam der nächste Farbauftrag, hui, das Blau war viel zu dunkel geraten, so einen tiefen Schatten wollte ich gar nicht, also abspülen, Farbansatz verdünnen, weiter machen. Diesmal habe ich nicht - wie bei einer "regelrechten" Wachsbatik üblich - die ganze Fläche eingefärbt, sondern Sonne und ein Himmelsstück offen gelassen und ein paar weitere Äste mit feineren Pinselstrichen angedeutet. Wieder einmal war trocknen angesagt. Reserviert bzw. gewachst wurden nun die vorher "gezeichneten" Aststücke im Baum und unten herum die "Landschaft". Ausgespart vom Wachs blieb weiterhin das Himmelsstück, der Baumstamm und einige Aststücke. Denn da sollte die letzte Farbe noch drauf arbeiten.
Der letzte Farbauftrag war Bordeaux-Rot. Im Himmelsbereich, wo zuletzt das intensive Gelb noch offen stand, ergibt das ein Orangerot, im Stammbereich des Baumes, wo zuletzt die blaue Farbe aufgetragen und nicht reserviert worden war, einen violettbräunlichen Ton.
Noch mal trocknen. Dadurch, dass schon soviel von der Fläche gewachst war, bleiben Farbflecken vom Rot stehen. Die wischt man mit einem feuchten Tuch ab, es sei denn, man will sie, dann mixen sie sich beim Ausbügeln des Wachses in die Fläche hinein. Das kann man mögen, hier wollte ich es aber nicht, es war schon genug Unruhe ... Ausgebügelt wird zwischen Zeitungspapier und wegen der Geruchsentwicklung am besten unter freiem Himmel. Dabei achte ich darauf, dass die ganze Fläche schmelzendes Wachs abbekommt, hier z. B. der Himmelsteil. Sonst entstehen an den Übergängen zu den ungewachsten Flächen Fettränder, auch die kann man mögen, aber hier hätten sie mich gestört. Nach dem Ausbügeln zeigen sich alle reservierten Farbspuren nun sehr deutlich, auch die anfänglichen Wachskreidenspuren vom Frottieren der Rinde meines Hausbaum-Spitzahorns sowie auch die eigentlich unabsichtlich entstandenen "Salzwolken".
Nun kamen das Aufkleben der Batik auf den Träger dran und das eigentliche Collagieren. Dafür schlug ich meinen Arbeitsplatz unten im Garten auf, da ist mehr Platz um mich herum... Ich hatte alles mögliche für die Collagen gesammelt, mich dann aber letztlich nur für vier Attribute entschieden: Den Text, der mich die ganze Zeit über in Gedanken begleitet hatte, eine Spitzahornfrucht von denen, die alltäglich schon herunterrieselten, eins meiner Federgeschenke, die ich beim Spazierengehen im Wald oder morgens beim Schwimmen im See aufgelesen hatte, und ein Steinchen vom Warnemünder Strand, wo wir unseren diesjährigen Hochzeitstag verbrachten - alles ganz klar Traumreise-Attribute... Ein in diesem Sommer erstandenes Antiquariats-Buch leistete mir allerbeste Dienste beim Pressen... Ich ging schrittweise vor, zunächst das Aufziehen auf die Träger-Pappen (Buchbinderleim), trocknen, pressen. Dann den am PC geschriebenen, auf altes dünnes Schreibpapier ausgedruckten und dann ausgerissenen Text aufkleben (Gelmedium), trocknen, pressen.
Den beiden Klebstoffen traute ich für meine Naturmaterialien dann doch nicht über den Weg und habe einen bewährten Alleskleber benutzt. Bei der Frage, wie ich die Feder gebändigt bekomme, kam ich auf die Idee, sie mit der Ahornfrucht zu fixieren. Dass auf diese Weise so eine Art Vögelchen entstand, wurde mir erst nach und nach bewusst, viele haben es ja auch so gedeutet... Trocknen, pressen, die Pappen immer einzeln um eine Vierteldrehung versetzt übereinandergestapelt und unters Buch zum Pressen gestapelt. Das sollte ganz in Ruhe geschehen. Ich räumte also den ganzen Tisch ab und fuhr auf eine Runde in den Schulgarten zum Gießen...
... Währenddessen kam ein kleiner Regenschauer, so klein, dass ich schon wieder trocken war, als ich wieder zu Hause ankam... Nun sollten die Steinchen geklebt werden, doch oh Schreck, der Stapel war weg... Die nächste "Katastrophe"?
Da draußen lag er... Nichts passiert. Buch und die zwischengelagerten Zeitungspapierblätter hatten die Tropfen daran gehindert in die Collagen einzudringen... Oje..., vor Aufregung zitterte ich wie Espenlaub und habe das Steinchenkleben auf den nächsten Morgen verschoben und abends lieber noch die Briefumschläge vorbereitet... Die Steinchen habe ich nur festgedrückt und ohne zusätliches Pressen in ihrem Klebstoffbettchen trocknen lassen. Bis jetzt haben sie wohl gehalten, höre ich. Irgendwann dann lagen sie da, alle 26... Ja, so viele... Denn ich fand, sie wären auch ein schönes Geschenk, und so habe ich ein paar Überraschungen verschickt und ein paar Geburtstags-, Gast- und Weihnachtsgeschenke zurückbehalten...
Dann wurden noch die Zubehörtüten mit einem Foto aus früheren (Traum-)Reisen beklebt, die Briefbeilage ausgedruckt und alles gut verpackt... Ab die Post...
Und alles passierte - über mehrere Tage hinweg in mehreren Sommerwochen unter der Krone ode im Schutz dieses Baums, meines Hausbaums, dieser wunderbare Spitzahorn, der hier schon angefangen hatte zu wachsen, als wir anfingen zu bauen. So blieb er stehen und wird größer und größer. In diesem Sommer hat er gezeigt, was er drauf hat, der tolle Schattenspender... Und genug Licht kommt immer durch, Sonnenlicht, Himmelslicht, ein Flimmern hier, ein Flimmern dort.
Angesichts der aktuellen Ereignisse widme ich diese meine ganz besondere sommerliche kreative Baumepisode all denen, die im Hambacher Forst vor Ort sind und bis zuletzt versuchen das Roden des wunderbaren Waldgebietes für Braunkohleverstromung und Profit zu verhindern. In Gedanken war und bin ich oft bei ihnen, die da schon so lange Baumhäuser bauten und besetzt hielten und auch jetzt nicht aufhören uns den Spiegel ins Gesicht zu halten, woraus uns allzuoft Gleichgültigkeit, Sattheit, Ignoranz, Arroganz oder gleich alles zusammen anschauen... Ich wünsche mir so sehr, dass #hambibleibt . Und uns endlich klar wird, wohin unsere Sorglosigkeit im Verbrauch von Strom und anderen hierzulande so reich und massenhaft und bezahlbar vorhandenen, produzierten und importierten - und je nach Trend und Mode weggeworfenen oder entsorgten - sinnvollen und sinnlosen und oft unter unsäglichen Arbeitsbedingungen hergestellten Gütern führen wird.
Ich bedanke mich für meine ganz persönliche sommerliche Traumreise bei Tabea und Michaela, meiner tollen Sommerpost-Gruppe 4 und meinen Überraschungspost-Senderinnen. Morgen gibt's noch mal eine Übersicht!
Sommerpost 2018 - Traumreise-Collagen - Eine Idee von Tabea Heinicker und Michaela Müller
Creadienstag























































