Freitag, 29. März 2013

Fisch am Karfreitag - Gedanken um einen (Wal)-Fisch

Da Katja schon mal einen Wal als "Fisch" zu Andivas Fisch am Freitag schickte, mach ich das heut auch..., in einem nachdenklichen Karfreitags-Post. Diesen kleinen Wal hier fand ich neulich in (m)einem Sammelsurium von Mini-Keramiken, gerade in der Fastenzeit und ein paar Tage nachdem ich von diesem Wal hier gelesen hatte, der im Mittelmeer an (unserem) Plastikmüll sterben musste. Er ist nicht der einzige, und zahllose Fische und Vögel ereilt täglich dasselbe Schicksal in Größenordnungen, die wir uns nicht vorstellen können... 

Das Meer ist zur größten Müllhalde der Welt geworden. Der Film Plastic Planet zeigt nicht nur dieses Problem auf beklemmende Weise, sondern rückt auch die Gesundheitsgefahren, die mit dem Gebrauch von Plastik verbunden sein können, ins Blickfeld. 


In der Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen - Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit" 2010 in den Uferhallen in Berlin-Wedding, aktuell in Sao Paulo.

Es ist Karfreitag, ein Gedenktag an den Tod des Menschen Jesus, der anders war und anders lebte. Ist es ein Zeichen, dass der neue Papst den Namen Franziskus wählte? Als erster von 266 Päpsten wählte er für seine Papstzeit den Namen desjenigen Mannes (1181-1226) aus, der weltliche Güter verschmähte, sich den Armen verbunden fühlte und die Schöpfung mit all ihren Wesen liebte. Ein Zeichen und Worte..., denen Wandel und Taten folgen?

in der Ausstellung (siehe Foto oben)

Fische leben seit mehr als 450 Mio. Jahren auf der Erde, der Mensch seit ca. 2,5 Mio. Jahren, der moderne homo sapiens ("weiser Mensch"...), seit etwa 200000 Jahren. Vor rund 80 Jahren begann sein (unser) Plastikzeitalter und irgendwann später das Zeitalter des so maßlosen Fischkonsums und -kommerzes, dass immer mehr Fanggründe erschöpft sind und Fischfarmen das Wasser belasten... Wie wird das ausgehen?  

Ein Wal war es übrigens, der in einer der biblischen Geschichten den Propheten Jona aus
dem Meer rettete und zu seinem Auftrag zurückbrachte, die Flucht bewahrte ihn nicht davor, der Wahrheit ins Auge sehen zu müssen. Damals kehrten die Menschen um...

Susanne Stöcklin-Meier: Von der Weisheit der Märchen
Und nun? Stecken wir den Kopf in den Sand? Warten wir (nur) ab? Ich finde es ermutigend, wie viele unter uns Blogger/innen sich mit dem Thema auseinandersetzen, nachfragen, diskutieren, eigene Schritte gehen. Das ist für mich ein Grund zur Freude, bei allem (Karfreitags)-Schmerz über so viele Wunden an der geschundenen Erde und an ihren Bewohnern, Pflanzen, Tieren und Menschen. DANKE an Maria, Katja, Birgit und an all die vielen anderen, die sich - wie ich auch - nicht irritieren lassen von Gleichgültigkeit, Zweifeln oder Einwürfen wie "Sollen erst mal die da oben..." oder "Was kann ich allein schon tun" oder "Nach mir die Sintflut", sondern ganz einfach und selbstverständlich die ihnen jetzt möglichen Schritte gehen, noch tastend oder schon energischer. Wir tun das nicht, weil Nachhaltigkeit gerade "trendy" ist, sondern in dem Wissen, dass man eigene Verantwortung nicht an irgendwen abgeben kann und voller Hoffnung und Zuversicht, dass das Leben auf unserer Erde auch für unsere Kinder und Enkel noch lebenswert und möglich ist. Hoffnung ist nicht abwartende Tatenlosigkeit.




"Hoffnung ist eine Haltung, die durch die Fähigkeit charakterisiert ist, die bestehenden Probleme wahrzunehmen und sich trotzdem eine gelingende Zukunft vorzustellen und dahingehende (Handlungs-)Möglichkeiten wahrzunehmen und zu nutzen... Gewiss ist es schwer, auf die Wirkung der eigenen sich meist bescheiden ausnehmenden Taten zu vertrauen, aber genau damit hat das Prinzip Hoffnung zu tun." (Armin Held: Die Beziehung von Mensch und Natur als Thema der Lehrerfortbildung. 2000, S. 205, 211).

Kommentare:

  1. Danke für diesen wunderbaren Post...er regt nochmals zum Nachdenken an...LG Lotta.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Ghislana!
    Wunderbar, dein heutiger Beitrag! Du spannst einen weiten Bogen mit deinem Wissen & hast auch noch die passenden Objekte zur Hand. So etwas mag ich sehr.
    Ich habe mich sehr gefreut, dass du meine neugierige Frage beantwortet hast. Dieses WWW. ist schon verrückt: Da lernt man unabhängig voneinander die div. Generationen einer Familie kennen & schätzen...
    Ich werde mich nun auch der Familie widmen, i.e. meinen alten Eltern.
    Dir wünsche ich Ostertage, die dir gut tun.
    Herzlichst
    Astrid

    AntwortenLöschen
  3. Guten Morgen, liebe Ghislana,
    toller Post - in sich gehen & nachdenken, das hast Du wunderbar gemacht!
    Liebe Grüße,
    Sabine

    AntwortenLöschen
  4. Danke! Nicht nur für den nachdenklichen Post, auch für das Zitat zum Thema Hoffnung. Wir versuchen hier weitgehend plastiklos zu leben, was gar nicht so einfach ist, in Wirklichkeit dürfte man nichts mehr kaufen, irgenwo ist in allem Plastik drin. Auch mit Kinderspielzeug wird's schwierig, sobald die Kinder übers Kleinkindalter raus sind, so mancher Herzenswunsch besteht zu hundert Prozent aus Plastik... Nein, Nachhaltigkeit ist nicht "trendy", aber ein Muss. Und ich trage sehr die Hoffnung in mir, dass unsere Wegwerf-Gesellschaft und -Wirtschaft umdenkt, im Großen, nicht nur im Kleinen, dass Nachhaltigkeit für alle Brieftaschen wieder leistbar wird, was aber auch bedingt, dass wir mit weniger zufrieden sind. Wie sehr freut man sich doch über Dinge, wenn man sie sich erspart hat - das ging mir schon als Kind so. Und ist bis heute geblieben. Beim Wirbelwind sieht das schon ganz anders aus - rundherum werden die Kinder aus schlechtem Gewissen mit Kramsch überhäuft - für mich geht eine familienfreundliche Politik Hand in Hand mit umweltbewusstem Denken und Handeln. Und familienfreundlich heißt für mich nicht, dass Frauen der Zugang zu Arbeit erleichtert wird, indem man Kinderbetreuungsplätze ausbaut - wo ist die Wertschätzung der Familie geblieben? Wo die echte Wertschätzung von Müttern? Nicht falsch verstehen, ich finde toll, was die Emanzipation der Frau erreicht hat, aber wir haben damit auch erreicht, dass das, was Frausein auch bedeutet, verloren gegangen ist. Dass sich Frauen, die "nur" Mütter und Hausfrauen sind, gering vorkommen, weil sie "nichts zum Wirtschaftswachstum beitragen", ist eine weitverbreitete, uns von der Wirtschaft eingepflanzte Krankheit. Umso mehr gilt meine Bewunderung all jenen, die sich dagegenstellen. Und dazu gehören viele viele tolle Bloggerinnen, denen es nicht um Konsum geht, sondern um Nachhaltigkeit, um das Wiederherstellen von natürlichen Gleichgewichten. Das waren jetzt viele Worte für ein Kommentar. Und ich komme vom einfachen ins Tausendste - aber für mich hängt das alles so sehr zusammen, dass es schwer zu trennen ist...
    Alles alles Liebe und frohe Ostern!!! Es lebe die gelebte Hoffnung!
    Dania

    AntwortenLöschen
  5. ein so kluger text, liebe ghislana; so schön gebaut. und auch wenn wir schon tausende male wissen, es kann nicht oft genug wiederholt werden. kleine nachdenkdornen, immer wieder, gegen die trägheit, gegen das vergessen, gegen das rein praktische. zur selbstermahnung, zum weitertun. danke.

    AntwortenLöschen
  6. es ist wirklich im ganzen toll gefasst, vielen Dank liebe Ghislana.
    Die Menschheit muss glaub ich erst lernen mit weniger auskommen zu können, achten auf das was es sich kauft und nicht allzu gierig zu sein.
    İch habe das Gefühl das die Menscheit einfach viel viel gierig ist auf alles. Und der Mensch will immer mehr und mehr und das ist was mich immer wieder wahnsinnig macht.
    Aber genau, die Hoffnung ist immer da und die Hoffnung wird immer da sein. İst ja auch das letzte, was in der Kiste von Pandora geblieben ist.
    İch wünsche mir dass alle Menschen nun auch mal Zeit für sich und zum Überlegen sich gönnt...
    Schöne Ostertage meine Liebe Ghislana...
    Dilek

    AntwortenLöschen
  7. Liebe Ghislana,

    danke für deinen Denkanstoß und diesen wunderbaren Post.

    LG und frohe Ostertage
    Rebekka

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Ghislana,
    an unserem Plattenspieler klebt immer noch der Button:

    "Erst wenn der letzte Baum gerodet,
    der letzte Fluss vergiftet,
    der letzte Fisch gefangen ist,
    werdet ihr merken,
    dass man Geld nicht essen kann.“

    herzlich Judika

    AntwortenLöschen

Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
Bitte keine anonymen Kommentare.