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Freitag, 8. September 2017

10 Fakten über mich und den Schulanfang


Astrid hat wieder ein neues ihrer interessanten Monatsthemen ausgebrütet. Schulanfang... Danke, dass du mich inspiriert hast auf ein paar Schulanfänge zurückzublicken...



 




 




1. Mein erster Schulanfang war 1960 in Lindow/Mark. Ich hatte eine Schultüte. Jedes Kind hatte die gleiche, gefüllt mit den gleichen Dingen, wie Buntstiften und etwas Süßem. War das nun Gleichmacherei oder - wenn ich heute so manchen Wettbewerb um Design, Größe und Inhalt der Schultüte sehe - doch irgendwie vernünftig? Ich fand sie toll, die Schultüte, und zu Hause gab's einen Bildband dazu, Paris bei Tag - Paris bei Nacht, mit einem langen Eintrag meines Vaters übers Lernen.




Auszug








2. Die ersten Schultage waren schwer. Ich war im Wesentlichen bis dahin ganz ohne Kontakt zu anderen Kindern - außer meinen jüngeren Geschwistern - aufgewachsen. Keine Straßenkindheit bis dahin, kein Kindergarten, keine Gruppen-Kinderspiele. Ich hatte keine Ahnung von "Räuber und Gendarm" und "Einkriege". Ich stand schüchtern am Rand, mit Kloß im Hals. Aber ein bis heute recht unerschütterliches Selbstbewusstsein nahm da vielleicht seinen Anfang. Jedenfalls nur Monate später war ich in Jungsprügeleien verwickelt, die damals noch Kräftemessen waren und mit Ritualen fernab jeder Brutalität und Verletzungsgefahr abliefen. Verschwitzt und mit abgerissenen Knöpfen kam ich freudig heim, ohne Schulranzen, vergessen im Eifer des Gefechts. Der Vater gar nicht amüsiert...





Erstlese- und Lebensbegleiter. Die Märchenbücher meiner Eltern. Grimm, Andersen, Bechstein.





3. Ich war immer das, was man eine gute Schülerin nannte, oft Klassenbeste, und dennoch gegenüber allem, was ich nicht einsah, als langweilig oder als ungerecht empfand, aufmüpfig und widerspenstig. Das brachte mir den Respekt und bis heute währende Freundschaften von Mitschülern ein. Nach knapp drei Schuljahren wurde ich umgeschult, wir zogen aus dem Norden von Berlin in den Süden. Wieder ein Schulanfang, wieder ein Kloß im Hals. Aber diese Schulzeit begann mit einem Wandertag und ich konnte meine Laufqualitäten bei einem Verfolgungsrennen zwischen Gartenrestauranttischen unter Beweis stellen und erstes Lob von den starken Jungs ernten. Die ersten Unterrichtstage waren dann aber ernüchternd und verstörend. Ich kam nicht mit... Hier sagte man auf einmal Adjektiv statt Wie-Wort und Verb statt Tu-Wort und Multiplikation statt Malnehmen... Ich brauchte ein paar Wochen zum Adaptieren.





Mehrere tausend Seiten Lexikon vom Onkel aus Köln. Kam an, in der DDR, ich habe mich stundenlang damit beschäftigt.





4. Der Schulanfang nach den Ferien, herrlich: Die Vorfreude auf die neuen Schulbücher, das Einschlagen ins blaue, grüne oder braune Packpapier, das Beschriften der Hefte, das Füllen der Federtaschen..., die Neugier auf neue Lehrer und die warm im Bauch pulsierende Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Klassenkameraden... Und natürlich hatte ich jedes neue Lesebuch vor Beginn des neuen Schuljahres schon verschlungen.







Drei meiner Lieblingsbücher in der Grundschule.




5. Nach der 8. Klasse ein Neuanfang an der gleichen Schule, aber in einer Vorbereitungsklasse aufs Abitur, Zusammenfinden von Pubertierenden aus fünf verschiedenen Orten. Wir fanden zusammen und teilen unvergessliche Erlebnisse, innerhalb und außerhalb der Schule, positiver und weniger schöner Art.

6. Nach der 10. schon wieder ein Schulanfang: nun an einer richtigen EOS (Erweiterte Oberschule), für mich in Königs Wusterausen, raus aus meiner Klasse, die woanders Abiturklasse wurde als ich. Denn unsere Familie war wieder umgezogen, d. h., noch nicht ganz. Das Haus wurde nicht fertig. Trotzdem sollte ich mal schon am anderen Ort zur Schule gehen. Jeden Morgen zwei Stunden Fahrt hin und nachmittags zurück. Ich kam nicht rein... Und landete mit anhaltender Magenschleimhautentzündung im Bett, bis mein Vater das Unheil begriff. Und mich wieder in meiner alten Klasse anmeldete. 

7. Die war inzwischen in Ludwigsfelde an der EOS "eingeschult". Als Fahrschülerklasse zwischen mehreren anderen Klassen, die schon seit zwei Jahren zusammen waren. Also irgendwie Außenseiterrolle einer ganzen Klasse. Das schweißt zusammen. Am vergangenen Samstag hatten wir Jahrgangstreffen nach 45 Jahren Abitur. Und wir saßen wie immer einträchtig zusammen, aber abseits, nämlich raus aus dem Lärm in der Gaststätte, draußen im Freien, bis in die Nacht, die Decken aus Autos der Selbstfahrer wärmten, und das Zusammensein, die Gespräche, die Erinnerungen, das Lachen...





VHS im Oberstufenzentrum Cottbus.




8. Die Schulanfänge unserer drei Kinder. Alle hier in Prieros, die beiden Großen noch in der "Baracke", ein Erweiterungsbau neben der alten Schule. Jedes Mal ein erhebender Moment, die Kinder auf diesen Weg zu schicken. Der jüngste kam dann schon in die "neue Schule", um die ich - noch in der DDR - als Abgeordnete jahrelang mit gekämpft hatte. Einschulungen waren für uns - so kannten wir es auch aus meiner Familie - immer Angelegenheiten im kleinen Familienkreis. Eine Schultüte mit ein paar ausgesuchten Kleinigkeiten, ein schöner Nachmittag in Familie, mit den damals hier in der Nähe lebenden Großeltern der Kinder, Kaffeetrinken, vielleicht ein Spaziergang oder ein kleiner Ausflug irgendwohin an einen unserer Seen oder in einen unserer Wälder. Schon ein besonderer Tag im Leben, aber ohne den Hype, der mir entgegenschlägt, wenn ich heute aus Versehen vor Schulbeginn in ein Kaufhaus gerate oder Gruselgeschichten von Versammlungen übermotivierter Eltern höre...

9. Und nun haben die zwei ältesten meiner fünf Enkel ihren Schulanfang schon fünf und ein Jahr hinter sich. Jedes Mal durften wir dabei sein und konnten an ihrem Mienenspiel und ihrer Haltung diese seltsame Mischung aus Neugier, Verzauberung und Unsicherheit ablesen... Alle beide haben sie hineingefunden, die eine in Druckschrift, die andere in Schreibschrift ("das rutscht so schön..."), alle beide ins Lesen. Damit ist schon viel gewonnen, finde ich.





Seit Dienstag 3. Semester Japanisch




10. Ich bin gern zur Schule gegangen, sehr gern. Ich habe in jedem Abschnitt, in jeder Schule, Lehrerinnen und Lehrer gefunden, die ich toll fand, die mich geprägt und mir viel bedeutet haben auf meinem Weg in meine lange und facettenreiche Bildungsbiografie. Mit ihrer pädagogischen Kunst, ihrem Witz, ihrem Wissen und ihrer Haltung uns Kindern oder Jugendlichen gegenüber überstrahlen sie die durchaus vorhandenen weniger guten Erinnerungen an die schwierigen Seiten einer DDR-Schule. Ich lerne auch heute noch gerne. Bin noch immer voller Lernlust. Und das wird nicht aufhören, da bin ich mir sicher.





Sonnenuntergang neben der Uni-Bibliothek Cottbus




Hier haben sich noch andere zu ihren Schulanfängen geäußert.

Freitag, 2. Oktober 2015

Morgens am See - 12tel Blick im September


 
Es ist wieder so weit. Meinen 12tel Blick habe ich zweimal morgens besucht, einmal auf einem Spaziergang am 12. September, bei fast nebligem Wetter, einmal bei morgendlichem Sonnenschein mit dem Fahrrad, auf dem Weg zum Wochenendeinkauf am 25. September.  

12tel Blick am 12.9.15
12tel Blick am 25.9.15, ca. 7.15 Uhr, Morgenlicht.
12tel Blick am 25.9.15, ca. 7.45 Uhr. Die Sonne ist aus dem Wald geklettert und hat das gegenüberliegende Ufer erreicht.
 
Wo ich im März mein Mandala legte und neulich mein Fahrrad stand, haben die Spechte fleißig geackert, der Baumstubben hat viele Späne gelassen. 



Der Morgen war so schön, dass ich eine Weile dort war, aufs Wasser schauen, Herbstgeräuschen lauschen, klopfenden Spechten, trompetenden Kranichen und schnatternden Wildgänsen zuhören, nach den Enten schauen und mich von den Spiegelungen mitreißen lassen.


 
Am 18. September wäre mein Vater 89 Jahre alt geworden. Dreißig Jahre lang lebte und arbeitete er, zunächst die Sommer über, dann 20 Jahre im selbst gebauten Häuschen am Ufer, mit dem Blick auf diesen See, bevor meine Eltern im Alter noch einmal umzogen. Der Schreibtisch stand an einem großen Fenster, das den Blick weit hinaus auf den See freigab, durch ein paar Birken am Ufer hindurch, die nun immer weniger werden. 


Die Schreibtische meines Vaters, an die ich mich erinnere, hatten immer Fensterblick, wie meine... Mit einer Wand vor dem Kopf käme ich mir am Schreibtisch vor wie mit Brett vorm Kopf, ich muss raussehen können, immer.


12tel Blick: Every month of the year a foto from the same place - the lake nearby.
Weekend reflections: "My" lake nearby at an early morning this year in september.  
Freutag: To have this lake nearby, where I can go at anytime I want...
In heaven: Reflections of the sky and the landscape in the water.
Autumn with all senses: Herbst mit allen Sinnen - Zu Gast bei Natalie

Mittwoch, 19. August 2015

Muster-Mittwoch - noch mal Volkskunst

So geht es los, mein neues altes Muster-Skizzenbuch.

Gleich zu Beginn ein großes "Sorry". Ich habe das Fotografieren mit meinem Leihapparat extra von gestern noch auf heute verlegt, aber es scheint mir noch dunkler draußen als gestern ;-(. Das Wetter steht: grau, kühl, trocken... Dementsprechend könnt ihr das Leuchten der Farben leider nur ahnen...., grummel... Oder - das graue Wetter spielt hier mit...





Da ich im Sommerloch bin, hatte ich Zeit zu spielen, zu schnippeln, zu kleben und habe endlich wieder angefangen was in ein Skizzenbuch zu füllen, in eins, das ich an diesem schönen Ort mal gemacht habe, unter famoser Anleitung, nicht reproduzierbar ;-(..., nun habe ich also ein Muster-Buch!



Neben meinen Papieren habe ich mich diesmal wieder von einem Kunst-Buch inspirieren lassen: Polnische Volkskunst von Aleksander Jackowski und Jadwiga Jarnuszkiewiczowa, eine Koproduktion vom Henschelverlag (Ost)-Berlin (den es zusammen mit Seemann Leipzig noch immer gibt! Ja!) und Ardady Warszawa aus dem Jahr 1968. Natürlich waren es auch Christines tolle Reiseposts aus Südpolen, die mich mal wieder nachschauen lassen haben, was denn hier so im Bücherschrank steht. Und nicht nur nachzuschauen, sondern auch hineinzuschauen.

 
Es ist ein Buch aus der ererbten elterlichen Kunstbibliothek, ein Geschenk eines Filmemachers Günter Jordan an meinen Vater als Dankeschön für die gemeinsame Arbeit (Musik) an zwei Dokumentarfilmen: "Polen in Berlin" und "Ewa, ein Mädchen aus Witunia" (1972/1973 zusammen mit Harry Hornig), lt. der noch immer beigefügten Karte mit dem hellblauen Scherenschnitt.


Von  mir vorübergehend hineingeschummelt - meine Klappschnitt-Tierchen.


Das Buch enthält neben Scherenschnitten noch andere Volkskunst aus Polen, von der Holzbildhauerei über Keramik, Kachelmalereien, Sandmuster, Trachten, Stickerei, Gewebe... und vieles mehr, überwiegend aus dem 19. Jh. Ich habe den dicken Band von vorne bis hinten durchgesehen, ohne dass ich ein einziges Mal gedacht hätte: hm, kitschig... Der einführende Text mag in gewisser Weise tendenziös sein (das Buch erschien in der DDR, in einer Zeit, da insbesondere christliche Frömmigkeit auf Argwohn stieß und Gläubige als etwas "rückständig" galten), aber der Text arbeitet sorgsam heraus, dass Volkskunst eben auch Kunst ist, der Heimat, Bräuchen, Traditionen und der jeweiligen Landschaft besonders verbunden. Und die religiösen Themen gewidmete Volkskunst ist im Buch dennoch - die künstlerische Qualität wertschätzend - breit vertreten (insbesondere hier Malerei, Bildhauerei, Kirchenbau).







Nun hätte ich gerne solche Maskingtapes...





Unter meinen Papieren fand sich auch eine Tagesspiegelseite. Die Grafik "Yayla" von Pauline Kraneis (*1970) hatte mich sehr fasziniert, sowas wandert dann gleich in meinen Papierfundus. Und siehe da, hier wird es komplett anders herum - eine Künstlerin schafft ihr Werk nach Motiven der Volkskunst, die sie fasziniert, ihre Bleistiftzeichnung entstand inspiriert durch einen anatolischen Teppich, der seinerseits typische Landschaftinspiration, hier das ostanatolische Hochplateau Yayla, verwebt. So ist doch die Verwendung des Papiers als Untergrund eines neuen Papierquilts für mein Musterbuch auch da noch passend.



Mustermittwoch wie immer - das ist so schön! - bei Müllerin Art.
Mittwochs mag ich - außer mustern ;-): in meinen Bücherschrank schauen, mich erinnern und mich inspirieren lassen... da gehe ich doch heute nach langer Zeit mal wieder mit zu Frollein Pfau.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Und - wart ihr auch an der Nister?

Hachenburg


Eigentlich wollte ich ja fleißig Tor- und Fensterbögen zeichnen und stempeln..., oder Häuser aus Stoff ausschneiden..., doch selbst das Mustern zum Muster-Mittwoch geht manchmal seltsame und eigene Wege, denn auch dahinter versteckt sich ja das Leben und mischt mit... Die liebe Zeit und der mit allerlei Schulsachen bestapelte Werktisch schickten mich schließlich doch wieder auf die Suche nach Fotos, ich stieß auf einen Ordner aus dem Herbst 2006: Westerwald, die Kinderferienheimat meines Vaters, die Heimat seiner Großeltern und ihrer 12 Kinder und noch heute Heimat vieler der Nachkommen. Nach dem Wegzug im Jahr 1957 war mein Vater nie wieder dort. Doch ich machte mich im Herbst 2006 auf Einladung einer Großcousine auf die Reise und lernte an einem Herbstwochenende viele liebenswerte, leider immer sehr entfernt gewesene Verwandte kennen. Und fotografierte.

Marienthal

2006 noch, zwischen Weihnachten und Neujahr, einer inneren Unruhe trotz Erholungsbedürfnis nachgebend, besuchte ich meine Eltern in ihrer Wahlheimat der späten Jahre in Wernigerode, nach einem gemütlichen Abendessen zeigte ich die Fotos. Die Freude meines Vaters über diese Bilder und die damit verbundenen Erinnerungen war nicht zu übersehen: Kloster Marienthal, Kloster Marienstatt, Steinebach, Hachenburg... "Und?" fragte er ungeduldig, "die Nister, habt ihr auch die Nister fotografiert?" Das Flüsschen - einer seiner Kindheitsspielplätze, bis dahin hatte ich nie davon gehört, sie aber - Gott sei Dank - wirklich fotografiert... 

An der Nister - Kloster Marienstatt

Nur einen Monat später starb mein Vater, 80jährig, aber doch zu diesem Zeitpunkt ganz und gar unerwartet. Genau heute vor 8 Jahren. - Dass dieser Musterpost so persönlich werden würde, davon hatte ich gestern noch nicht die leiseste Ahnung. Doch nun finde ich es schön, diese ganz besonderen Erinnerungen mit den Fotos zu verbinden, davon zu erzählen und ein wenig zu spielen, mit den Bögen der Brücke über die Nister am Kloster Marienstatt und mit den Verzierungen alter Fachwerkhäuser in Hachenburg und Marienthal.

An einer Fassade in Hachenburg






vervielfältigtes Muster am Hotel Marienthaler Hof
Brücke über die Nister im Spiegel...


Schon einmal standen Gedanken zu meinem Vater Pate für einen Mustermittwoch.
Und nun - ganz gespannt auf das Muster-Thema für den Februar - schicke ich euch zu Michaela, die unsere Mittwochs-Muster wieder sammelt.