Dienstag, 20. Februar 2018

Unterwegs mit Bus und Bahn

Morgens 5.30 Uhr, in Freiberg war Schnee gefallen, als ich nach vier Tagen wieder kam, war er wieder weg...
Sonntagfrüh in Dresden, erster Umstig, der Bahnhof noch so leer...








Meine letzte "große" Bus- und Bahnfahrt neun Stunden lang an die Ostsee bebildert heute meinen Post. Wie habe ich die Ausblicke in die Mecklenburger Landschaft und ihre Weite genossen...





 
Sonnenaufgang im Süden Berlins

Berlin-Hauptbahnhof, es ist schon bald 9.00 Uhr
Verlockung..., ich muss aber Ludwigslust raus. Es fuhr ein "Ersatzzug", die Platzkarten galten nicht, aber ich bekam ein Plätzchen neben einer netten Musikpädagogin aus Berlin, die auf dem Weg in die Ferien war.









Bus- und Bahnfahrerin war ich schon immer... Bis zu meinem 12. Lebensjahr Mitte der 60er hatte unsere Familie kein Auto, wir fuhren mit dem Bus zur S-Bahn, mit der S-Bahn nach Berlin, zu einer Zeit, als die S-Bahn noch Raucherabteile hatte... Mit der U-Bahn waren wir manchmal innerhalb von Berlin unterwegs, da ging uns, Omi und mir, mal beim fixen Umsteigen die kleine Schwester samt Mama verloren... Aber sie holten uns wieder ein, ohne Handy...






Umstieg in Ludwigslust.
Weite...
Kleiner Unterwegsbahnho, Holthusen glaube ich...






Während meiner Oberschulzeit Anfang der 70er fuhren wir morgens mit dem Schulbus eine halbe Stunde zur Schule, bis zur Bushaltestelle musste ich eine halbe Stunde laufen, nachmittags mit Zug und Bus oder Zug und "Blauer Bock", ein kleiner Triebwagen, nach Hause. Lustige Stunden waren das mit den Schulfreund*innen, manchmal, wenn ein Zug ausfiel, noch mit dem kleinen Glück eines Kakaos aus dem Automaten der Mitropa in der goldfarbigen "Ziehharmonika"-Halle auf dem Bahnhof Schönefeld. Bei gutem Wetter fuhr ich manchmal mit dem Moped, einer grünen "Schwalbe".





4. Umstieg in Schwerin. Busbahnhof.
Schon wieder eine Meeresverlockung... Aber in Wismar werde ich schon abgeholt...
Ein sehr netter junger hilfsbereiter mehrsprachiger Busfahrer nach Wismar. Aber die Busscheiben... Nix zu sehen...





Bus, S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn waren auch die Verkehrsmittel während meiner langen Studienzeit in Berlin, nur im ersten Ehejahr unterbrochen von Bus- und Bahnfahrt von "j. w. d." - janz weit draußen - vom Dorf aus, denn wir bekamen erst mit der ein Jahr später geborenen ältesten Tochter endlich eine eigene Bleibe in Berlin. Wir wohnten einen Winter lang im Ferienhaus eines befreundeten Arztes und der Weg zum Bus begann mit dem Übersetzen mit einem Boot über den See oder den Fluss. Wenn die gefroren waren, aber noch nicht fest genug zum Darüberlaufen, musste geschwänzt werden...





Nach 9 Stunden: Angekommen in Wismar, von da geht es weiter mit dem Auto. Die Tochter holt mich ab.
Nachmittag mit den Enkelkindern.






Am Busfahren hat mich immer gestört, dass mir beim Lesen schlecht wurde... In der Bahn dagegen kann ich allerbestens lesen. Überhaupt, dass man beim Bahnfahren die Konzentratione fahren lassen kann, dösen, schauen, lesen, schreiben, träumen, finde ich wunderbar. Ein prächtiger Unterschied zum Autofahren, bei dem man - eigentlich - von der ersten bis zur letzten Minute voll konzentriert bleiben muss.





Neubukow zu Fuß kennenlernen...







Trotz mancher Muffligkeiten der Mitreisenden, besonders in Berlin, gelang doch ab und an auch das ein oder andere nette und überraschende Gespräch mit ganz unbekannten Menschen.  Besonders in der Zeit, als wir mit unseren beiden kleinen Mädchen in Berlin S-Bahn und U-Bahn fuhren, da gab es immer nette Kommentare...





In Rerik am Meer. In Familie.
Kirche in Rerik zwischen Meer und Haff.






Zwei Studienjahre lang "musste" ich aus politischen Gründen in Rostock studieren, es wurde aber eine schöne Zeit, an die ich mich gern erinnere. Die Verbindung von Berlin nach Rostock war im Vergleich zu heute phänomenal kurz und manchmal nahm ich den Nachtzug oder gar den ganz frühen Morgenzug, um morgens gleich ins Griechischseminar einzufliegen, mit Frühstück vorher im Seefahrerheim "Sonne" am Rostocker Markt...





Letzter Abend.
Aufbruch am frühen Nachmittag "nach Hause"
Am Bahnhof in Neubukow.





Meine ersten Berufsjahre fuhr ich auch Bus und Bahn nach Berlin, im Vergleich zu heute waren auch damals in den 80ern die Verspätungen nicht ausgeprägter..., und die S-Bahn-Strecke von Königs Wusterhausen nach Berlin-Friedrichstraße durchgehend und 10 Minuten kürzer als heute. Spannend wurde es, wenn ich meinen Bus in Berlin auf der Rückfahrt verpasste oder der doch mal Verspätung hatte, dann verpasste ich den S-Bahn-Anschluss und damit den Bus-Anschluss und damit die Schließzeit der Kita... Dann holte ich mir das jüngste Kind von einer Erzieherin ab, die es mit nach Hause nahm, damals völlig normal...



Im Zug nach Wismar.
Weite atmen.





Die nach der Wende folgenden fast 20 Jahre mit eigenem Auto habe ich genossen, obwohl ich auch die freiwillig hin und wieder unterbrochen habe, zu anstrengend täglich 2 x 60 km Autofahrt zum Arbeitsort. So ließ ich das Auto nach 15 km am Bahnhof stehen, fuhr Zug und wanderte anschließend durch den wunderbaren "Alten Hain" der Spreewaldstadt Lübben zum Büro. Besonders zur Zeit von Tausenden Winterlingen und Frühlingsanemonen ein unvergessliches Erlebnis... Zwei Jahre hatte ich sogar eine Berlin-Brandenburger Öko-Jahreskarte, da war ich viel "kulturell" unterwegs, denn ich hatte meine Arbeitszeit auf 36 Stunden gekürzt und alle zwei Wochen einen Tag pro Woche frei... Soviele Ausstellungen und Konzerte "am Stück" habe ich nie wieder besucht...





Umstieg in Wismar. Mit dem Bus geht's nach Schwerin. Schienenersatzverkehr. Der Busfahrer von anderem Kaliber, ruppig im Umgang und auf der Bremse...
Wismar lohnt wohl auch mal einen ausführlicheren Aufenthalt...






An die 10 Jahre lang fuhr ich jährlich mit dem Zug auf die Insel Sylt zu meinem geliebten Batikseminar, das mindestens eine Woche oder in den Anfangsjahren sogar 10 Tage lang dauerte. Der Augenblick, wo der Blick erstmals aufs Meer und die Insel fiel, unbeschreiblich... Und dann völlig eintauchen in die Welt der Farben und der atemberaubenden Dünenlandschaft im Norden der Insel.




 

Was für herrliches Reisewetter...
Und in Schwerin genug Luft zum Umsteigen nach Hamburg und Spaziergang zum Pfaffenteich. Wo ist denn das? fragte der Gefährte, als ich ihm das Foto zeigte... Ja, Schönheit ist überall.








Einmal im Monat bin ich auch heute noch mindestens eine längere Strecke mit der Bahn unterwegs, die Tochterfamilien im Norden und Süden Ostdeutschlands besuchen, zwischen unseren drei Lebensmittelpunkten wechseln, oder wie gerade mal wieder, in Richtung NRW, die alte Heimat meiner Eltern...  





Umsteigen in Hamburg.







Immer wieder geht beim Bahnfahren auch mal was schief, sind Anschlusszüge weg, fallen Züge aus, gibt's schmuddelig-ältliche Ersatzzüge oder Stürme verwandeln die Fahrpläne in eine Chaos. Ich weiß selbst nicht, wieso ich das so schnell vergesse und immer wieder in die Bahn einsteige, jedes Mal voller Zuversicht, dass mein Fahrplan stimmt und ich pünktlich ans gewünschte Ziel komme. Und allermeistens klappt es ja auch ;-)





Nächtliche Ankunft in Leipzig.
Warten auf den Anschluss nach Chemnitz. Schöne nostalgische Bahn auf dem Nachbargleis.










Einer meiner Träume war lange Zeit eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ob das noch was wird, keine Ahnung. Aber vielleicht eine Eisenbahnfahrt nach Rom oder Paris? 






 
Der Zug nach Chemnitz ist fast leer um diese Zeit und hat Verspätung...

 
Zum Glück wartet der Anschlusszug nach Dresden in Chemnitz, sonst wäre ich nicht mehr nach Hause gekommen. Aber wir müssen von einem Bahnsteig durch den ganzen Bahnhof zu einem entfernten Gleis hetzen. Sport zu nächtlicher Stunde... Keine Zeit für ein Bahnhofsfoto mehr...

 
Unterwegshalt. In Freiberg komme ich dann kurz nach Mitternacht an, vergesse ein letztes Bahnhofsfoto und nehme ein Taxi nach Hause. Mit meinem lauten Rollkoffer durch die einsamen nächtlichen Straßen einer Stadt, das ist mir nichts..., während es für mich draußen in "meinem" Wald auf dem Dorf gar kein Problem wäre... Nur da fährt nachts kein öffentliches Verkehrsmittel hin...








Bei Emma: Tell a story - Mit Bus und Bahn


Kommentare:

  1. Ich finde es immer erstaunlich, dass so viele Leute Autofahren als anstrengend empfinden und Bus oder Bahnfahrten als entspannend. Bei mir ist es genau umgekehrt. Schon wenn ich einen Bahnhof sehe, krieg ich die Krise. Für mich ist Bus- und Bahnfahren immer verbunden mit sinnlosem Zeitverlust durch Warterei oder Verspätungen, mit zu viel Körperkontakt mit zu vielen fremden Menschen z.B. im Berufsverkehr und mit stickiger Luft durch menschliche Ausdünstungen. Kurz gesagt: ich mag es so gar nicht :P
    LG, Varis

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  2. Öffentliche Verkehrsmittel nutze ich meist nur in Großstädten, weil mir das dann mit dem Auto zu stressig ist. Ansonsten bin ich gern unabhängig und wenn wir zu zweit fahren, kann ich sogar ein bisschen Handarbeiten.
    Aber du hattest ja ein Traumwetterchen bei uns hier oben ;O).
    Liebe Inselgrüße
    Kerstin

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  3. So eine Geschichte kannst nur DU schreiben! Und dann hast du auch noch Massen von Fotos parat...
    LG
    Astrid

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  4. Schön geschrieben - danke dass du mit auf die Reise genommen hast

    lg gabi

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  5. ich bewundere wirklich deine geduld, die du mit der bahn und den öffentlichen verkehrsmitteln hast! mir sind überfüllte busse und bahnen inzwischen ein gräuel, ebenso das umsteigen und "dank" verspätungen ewige warten auf zugigen bahnhöfen und an haltestellen. wenn die bahn allerdings mal normal fährt und sich nicht in allen gängen leute drängeln und man nicht einen nachbarn mit ausdünstungen und lauter musik aus dem kopfhörer hat, dann finde ich bahnfahren auch als sehr angenehm. LEIDER passiert mir das nicht allzuoft.
    deine wunderbar bebilderte reise hat mir allerdings sehr viel freude bereitet!!
    liebe grüße
    mano

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  6. ich bin eisenbahnerkind 3.generation - hab schmieröl, diesel und kohlenruss in den adern ;-D
    ich habe wohl jahre auf der eisenbahn verbracht....... wir haben erst ein auto gekauft als wir 2011 aufs land gezogen sind in ein auszubauendes haus. meine wildesten bahnfahrten waren von berlin im winter nach dem riesengebirge und im sommer nach rumänien...... in B habe ich nur bei schlimmer krankheit oder garstigem wetter die öffis benutzt - mein fahrrad gab mir unabhängigkeit und kondition :-D
    xxxx

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  7. ...das wußte ich, liebe Ghislana,
    dass du zu diesem Thema viel zu erzählen und zeigen hast...und ganz sicher ist dies nur ein Bruchteil von deinen Erlebnissen...an einigen Stellen hätte ich auch was dazu erzählen können...ich fahre auch gerne Bahn und habe in meinem Leben schon einige Kilometer zurück gelegt,

    liebe Grüße Birgitt

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  8. Hallo Ghislana,
    da geht es dir wie mir im Zug kann ich lesen und schlafen :-)).
    Das ist doch fein.

    In Wismar war ich einmal und dort im Restaurant Zum alten Schweden.
    Vom danebenliegenden Wasserdings habe ich noch ein Bild. Auch eine sehr schöne Stadt, die wiedererstanden ist.

    Uns hat es sehr gut gefallen.

    Lieben Gruß Eva

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  9. "Bus und Bahn" habe gerne deine erlebnisse gelesen und gleichzeitig deine diesbezügliche neuere fotos gesehen * nehme selber auch gerne "transports en commun" es ist oft erlebnissreicher wie nur auto alleine zu fahren, und gemütlicher besonders bei lange strecken.
    :)

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  10. Du hast ja eine richtige Bahnfahrkarriere hinter dir! Danke fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  11. Wie interessant! Eine Bahnfahrerin mit allen Gleiswassern gewaschen! Am tollsten ja die Zeit von jwd mit Boot und übersetzen. Irre. Oh ich hab den Post verschlungen! Und deine weiten Meckpommausblicke genieße ich immer wieder. Lesen kann ich im Bus auch nicht, da gehts mir wie Dir, mir wird grottenübel, aber Bahnfahren, ja, lesen, dösen, schreiben, gucken, schön. Lach. Danke der Nachfrage: Knie darf man nicht anfassen, alle Hosenbeine müssen sehr weit sein, aber es radelt schon wieder. BÜschen lila... Abendgrüße in die Weite! Eva

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  12. Was Du für Strecken zurücklegst, ist unglaublich, liebe Ghislana. Früher zu Studienzeiten bin ich auch viel Zug gefahren. Inzwischen mache ich es nicht mehr soooo gerne. Aber lesen, träumen und einfach nur gucken kann im Zug wirklich ganz gut. Definitiv besser als im Auto! ;-)
    Liebe Grüße,
    Doris

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  13. Das ist der Vorteil wenn man mit den Övs unterwegs ist, weil wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Schöne Geschichte.
    L G Pia

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  14. I loved your travelogue and photos. When I was in elementary school, I would walk to and from school, but we drove a car everywhere else. In Los Angeles, there has never been a good public transportation system. Everything is very spread out also, so a car is really necessary. When I have traveled in Europe, I loved taking the trains, and I would also love to ride on the Trans Siberian Railway one day.

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  15. hach was für ein toller Bericht ..
    ich habe ihn voller Freude gelesen ..
    die alte Lok auf dem Bahnhof in Leipzig (den ich auch kenne)
    scheint eine 01 zu sein ..
    ich bin ja auch schon als Kind mit der Bahn groß geworden
    liebe Grüße
    Rosi

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  16. Sehr gelungen, deine Bahngeschichten. Vom Leipziger Bahnhof, da könnte ich auch Geschichten erzählen. Oft bin ich die Stufen hoch gerannt und hab den Zug auf 10 a nur in letzter Minute erwischt. Es ist aber immer wieder schön, dort anzukommen. Die Umsteigerei in Chemnitz nach Freiberg ist eigentlich Schikane. Ein älterer Mensch kann das eigentlich gar nicht schaffen in der kurzen Zeit. Gut, dass wenigstens die letzte Bahn wartet.
    Also, Bahnfahren finde ich auch total entspannt und ziehe es meistens auf langen Strecken dem Auto vor.
    LG Sigrun

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken.
Bitte aber keine anonymen Kommentare.