Seiten

Dienstag, 31. März 2015

Mein wilder Garten (26)













So richtig durchgestartet ist der Frühling hier noch nicht... Am Waldgeißblatt aber kann man sehen, wie es im März vorwärts ging. Der Sichtschutz ist hier schon wieder schön dicht. So richtig fertig mit dem "Frühjahrsputz" im Garten bin ich auch noch nicht. Wenn ich Zeit habe, passt das Wetter nicht und wenn das Wetter passt, "muss" ich gerade was anderes machen... Aber für ein paar Märzfotos war dann doch Zeit, und auch dafür ein paar Pläne für den wilden Garten zu schmieden. 

Efeugundelrebe und Vergissmeinnicht.
Schnittlauch frisch in den Quark, nun wird's wieder...
Baldrian, Storchschnabel und jedes Jahr dasselbe Lied: Was sind das für Sämlinge?
Polster-Glockenblumen im alten Baumstamm, der ohne seine "Bauchbinde" auseinanderfallen würde...
Die Fleißigen waren an sonnigen Tagen schon wieder am "Spinnen".
Behäbige "Skulptur" aus auf verschiedenen Wegen zugewanderten Pflastersteinen.
Am Teich warten die Elfenblumen unterm erröteten, frostschützenden (!) Vorjahreslaub auf einen neuen Auftritt.



So manches Mal habe ich mich in diesen Wochen auf dieser wunderbaren Seite von Werner David belesen. Er hat nur einen Balkon zum Gärtnern, und der ist voller wilder Pflanzen und wilder Bienen! Insekten, besonders Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge zählen ja auch zu meinen Lieblingen und für die Vielfalt sind sie ohnehin unverzichtbar. Ich möchte einen gut gedeckten Tisch für sie haben und ihnen vor allem auch Nistmöglichkeiten bieten. Da trifft es sich gut, dass ich schon immer intuitiv die Stengel der abgeblühten Vorjahresblumen stehen lasse, da ich weiß, dass sich allerlei kleines Getier dort über den Winter schläft. Das wissen auch die Vögel, die diese Stengel gezielt nach Eiweiß-Nahrung absuchen.... Die markhaltigen Stengel z. B. von Königskerzen sind Überwinterungsquartier und vor allem Nistplatz für bestimmte Wildbienen.



Am Zaun im Vorgarten die sterile, für Insekten unbrauchbare, aber schon so alte Forsythie. Noch bringe ich es nicht übers Herz sie auszutauschen... Die neue junge Kornelkirsche ist gut angewachsen, aber blüht noch nicht.
Forsythie hoch im Himmel beim Tamariskenflieder zu Gast
Auch der im letzten Jahr als Geschenk meiner Examensklasse gepflanzte Fächerahorn sieht gut gelaunt aus.



Auch abgebrochene Brombeerzweige werden von Wildbienen für den Nestbau besiedelt. Da lässt sich noch was machen im Garten, nur in die rechten Bahnen sollte es sich lenken lassen, das Brombeergestrüpp... Was ich gelernt habe, ist, dass man Wildbienen und ihr Brutverhalten ja überhaupt nicht über einen Kamm scheren kann, da gibt es viele, viele verschiedene Strategien... Leider finden diese faszinierenden Wesen in Gärten oft nicht das, was sie zur Fortpflanzung und auf der Nahrungssuche brauchen. Viele wunderschöne, aber sterile und gefüllte - und damit oft nektar- und pollenlose - Blütenpflanzen wachsen inzwischen in Gärten, wunderbar anzuschauen, nur ist das nix zu essen für die Wilden. Und ein Zuviel an Ordnung und Sauberkeit im Garten heißt, den kleinen Gesellen die möglichen Brutreviere einfach abzuschnippeln.



Geschenkte Frühlingsfarben von meiner Schwester
Mein halbes Dutzend Elfenkrokusse ging im Regen nicht auf, die Blüten fielen geschlossen ab. Gütlich daran taten sich die ersten noch kleinen Nachkommen der Nacktschnecken.
Neben dem Schneeglöckchen-Weiden-Mandala kamen noch zwei Krokusse hervor.
Scilla am Teich, ganz langsam breitet sie sich aus.



Dieses Jahr will ich auch wieder mal Sommerblumen als Insektenweise aussäen, auch da habe ich dazugelernt. Früher war ich es gewohnt, mir die Samen von den Sommerblumen abzunehmen und im nächsten Jahr wieder auszusäen. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass entweder gar keine oder nur rudimentäre Samen gebildet werden bzw. die Samen schlecht oder gar nicht aufgehen oder die Blumen ganz anders aussehen als gedacht. Deshalb greife ich jetzt zu sogenannten samenfesten Blumen und kaufe Samen von Züchtern und Vermehrern, die ein Interesse an der Erhaltung von Pflanzenvielfalt und deren Sorten haben und nicht in erster Linie daran, dass ich doch bitte im nächsten Jahr wieder alle Samentüten neu kaufen soll, wie es z. B. bei sogenannten Hybrid-Züchtungen in der Regel erforderlich ist. Dieses Jahr versuche ich es mit Samen von VERN e. V. und Bingenheimer Saatgut.


Grauen Himmel ins Regenfass geerührt...


Und ihr? Wie weit seit ihr mit eurem Frühjahrs-Garten?

Wenn ihr mögt, könnt ihr euch hier wieder verlinken:


Bilder-Pingpong (3)



Das hier unten war dieses Mal Lucias Impuls-Foto. Ich hatte es mir vor ein paar Tagen endlich ausgedruckt, auf den Tisch gelegt und wartete auf eine Eingebung... Die kam am letzten Donnerstag, als ich - mal wieder - auf dem Werktisch was suchte, sortierte... Da fiel mir das Programmheft der Potsdamer Schlössernächte in die Hände, ein Zweitexemplar, aus dem ich Postkarten machen wollte. 

















Beim Durchblättern fand ich zu Lucias Foto passende Farben, vor allem für die Briefkästen, gleichzeitig dachte ich an die wunderbare nächtliche Stimmung zurück, als ich mit dem Gefährten durch die illuminierten Parkanlagen schlenderte. Dazu hatte ich dann große Lust, und so entstand die Collage. Ich schlüpfte durch die Tür und lief die Wege hinein in die Erinnerung an eine wunderbare lange Nacht draußen im Park Sanssouci in Potsdam, frühsommerliches Grün, mildes Licht, sanfte Musik, Harmonie, Geheimnis, Geschichte/n, Wohlgefühl.... 

 
Bilder-Pingpong: Lucia oder ich stellen jeweils am ersten Dienstag im Monat ein Impuls-Foto auf den Blog, ihr macht daraus, was ihr wollt, in welcher Technik auch immer, ohne Worte oder mit. Das nächste Foto kommt am Dienstag nach Ostern hier. Eure Beiträge könnt ihr dann am letzten Dienstag im April hier verlinken. 

Aber jetzt erst mal bei Lucia gucken: was haben die anderen alles aus dieser geheimnisvollen Tür gemacht?

Abgeschickt auch zum Creadienstag.

Montag, 30. März 2015

Montags-Mandala (41) - wieder mal am 12tel Blick


Wieder einmal kommt das Mandala vom Platz meines diesjährigen 12tel Blickes, vom Badestrand, ein paar Minuten um die Ecke durch den Wald.


02.03.2015
30.03.2015

Die beiden Male, die ich dort war am Strand, gebärdete sich das Wetter rau, heute noch rauer als Anfang des Monats, zuweilen fast stürmisch, unwirtlich. 


Für den Gefährten: die Baumgruppe auf der Landzunge gegenüber

Mein Platz fürs Mandala diesmal ein alter Baumstubben mit einer kleinen Mulde. Die kam gerade recht, damit das Mandala nicht wegfliegt...

Noch immer ist das Grün hier am Ufer rar und damit das Material für ein Frühlingsmandala. Der Wind hatte die vorjährigen Früchte und diesjährige männliche Blütenkätzchen der Erlen heruntergeweht. Im wie immer auf cm-Länge abrasierten schütteren Gras ein paar Gänseblümchen, die gleichsam im Gras sitzen, einen Stiel auszubilden trauen sie sich nicht mehr, zu schnell könnte der Mäher wieder über sie hinweg fahren. Und sie blühen doch so gern...


Auf dem Rückweg war ich im Wald mit einer der neuen geschlagenen und zerfahrenen Flächen. Dieses Mandala hier aus dem Februar mit dem kleinen hoffnungsfrohen Moosgrün gibt es nicht mehr, begraben ist es unter den Bergen der abholbereit gesägten und gestapelten Stammabschnitte.


https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjqgJNkyRXbAV9NRXMn1fBk4u-IwVwa5lLj7a_GaOBUCQlqaG8HvfqKnjI1TuqW9Z0j0E2NZwONgI3B5xzx5XAMsdnDWgn3NDnGOfOhdy1oNljLj1VTC0NT4akWTZdcgQKK187A-YZ_pg/s1600/DSC_0490.jpg


Ich habe Jahresringe gezählt. Über 150 Jahre alt waren manche der Kiefern. Schon als ich ihn vor 50 Jahren kennen lernte, war der Wald "alt"... Viele Generationen Mensch wird es brauchen, bis der Wald wieder so alt ist, falls er so alt je wieder werden darf. Denn es ist ein magerer Standort auf einer eiszeitlichen Sanddüne, in den letzten Jahrzehnten hat der Stammumfang nur mm-weise zugenommen. Ganz, ganz schmal sind die Jahresringe und eng liegen sie beieinander, ganz langsames Wachsen.


War ich vorhin im Wald noch imstande zu fotografieren, ist es mir jetzt unmöglich die Bilder zu sichten und auszusortieren, zu tief sitzt noch die Trauer um die Gefährten. Ja, es ist Wirtschaftsforst, Kiefernmonokultur, und wir leben auch vom Holz. Aber all die Bäume waren lebendige Wesen, Gefährten meiner Kindheit, meiner Jugend, meiner Mutterschaft, meines Alterns. Sie sind mir nicht egal. Schlimmer noch, sie erinnern mich jetzt täglich vor der Haustür noch mehr an all die Bäume, die ich schon gesehen habe und immer noch sehe, von denen ich gehört habe oder von denen ich höre: Bäume, die überall auf der Welt vor ihrer Zeit und in Massen fallen und schnell nachwachsen müssen, weil wir nicht genug bekommen können. 

Wie die Freude gehört die Trauer zu unserem Leben, die Trauer um Menschen, die uns nahe stehen ebenso wie die Empathie für Menschen, von deren Freuden oder Leid wir erfahren, obwohl wir sie nie persönlich gekannt haben, wahrscheinlich nie kennen lernen werden, weil sie weit, weit weg von uns leben, sich freuen oder aber leiden und gar sterben müssen. Aber wir können die Perspektive wechseln, uns immer wieder entscheiden, wo wir genauer hinschauen und versuchen das Beste zu tun. Dieser Tage sind die Blogs voll von Frühlingsfreuden, voll von unserer tiefen Freude am Wachsen und Gedeihen, am Erblühen und Entfalten der so vielfältigen Natur um uns herum. Wo diese Freude und Wertschätzung Platz haben, darf auch der Schmerz Platz haben, gerade wenn der Mensch Hand anlegt, um diese Vielfalt der Lebewesen gedankenlos oder aus Gleichgültigkeit oder aus Gewinninteresse auf lange Zeiträume hin zu zerstören.
























Bald werden wir die Bank wieder an die rechte Stelle rücken, mit weit geöffneten Augen, Ohren und Herzen den Enten oder vielleicht gar dem Eisvogel zuschauen, unseren Gedanken nachhängen, über uns die Baumwipfel, uns gegenüber der Sonnenuntergang. Es sollte bitte nur noch ein bisschen wärmer werden.

12tel Blick: einen Platz monatlich aus derselben Perspektive anschauen und seine Veränderung wahrnehmen. Wie bei Tabea ist auch bei mir der Frühling noch nicht so durchgestartet, dass man es grünen sähe... Alle 12tel Blicke bei Tabea.

EDIT: Bilder-Pingpong und "Wilder" Gartenrückblick kommen am Dienstag leider erst mit Verspätung..., abends...

Sonntag, 29. März 2015

Mein Freund, der Baum (22) - Rund um Gutshof Gantikow






Das Gutshaus Gantikow mit seiner wunderbaren mit Freskenmalerei gestalteten Fassade und den Frühlingszeichen war dieser Tage hier, hier und hier schon Thema. Heute sind die Bäume dran, die mir in und um Gantikow herum am vergangenen Wochenende begegneten. Einen Wald gibt's dort nicht. Rund um den kleinen Ort und seinen Anger (mit einem von Anwohnern leider als Gartenabfallgrube genutzten Mini-Pfuhl in der Mitte) gruppieren sich die Anliegergrundstücke und dahinter erstrecken sich weite, weite Felder. Umsomehr fallen die Bäume auf inmitten des flachen, leicht welligen Landes dort in der Prignitz im Norden Brandenburgs. Vor dem Gutshaus gleich zwei alte Linden. Dahinter eine stattliche Kastanie.



Der Gantikower See schloss sich einst an den alten Gutspark an. Der ist nur noch teilweise erhalten. Zwischen Gutshaus und See schoben sich neue Häuser mit großen, aber leider ziemlich kahlen Gärten. 

Also schauen wir lieber übern See und wandern entgegen dem Uhrzeigersinn um ihn herum. 

Nach den gepflegten und unter lautem Getöse gemähten Uferbereichen (obwohl eigentlich noch gar nichts zu mähen war...), findet man sich plötzlich in einem schmalen Streifen Wildnis, zwischen See und Feldern, bewachsen von Unmengen an Pappeln und Weiden, vereinzelt auch Birken und Buchen.

Ein Ort, um Zwiesprache zu halten mit Bäumen. Ihnen näher und nahe zu kommen. Geschützt im Dickicht zu sitzen. In die Sonne zu schauen. Empfindungen, Gedanken und Worte zu sammeln, Baumgeschichten zu erzählen. (Der Anlass meiner Gantikow-Reise war ja die Leitung eines Naturpädagogikseminars...)



Himmlisch die Ausblicke nach oben, in die noch unbelaubten Baumkronen. Die Weiden trugen schon Mengen von Kätzchen, die nun bald erblühen werden. Dann werden die Bäume summen... 


Die Rinden der Pappeln haben mit ihren aufgeplatzten Zonen besondere Strukturen, die das Wachstum begleiten und an denen man die Bäume auch im unbelaubten Zustand gut erkennen kann. "Piekser" am liegenden Totholz.

Ich freue mich auf eure Baumgeschichten und danke allen, die sich im Laufe des vergangenen Monats verlinkt haben, auch wenn einige sehr traurige Posts darunter waren. Trauer um Bäume, die aus den unterschiedlichsten und manchmal sehr fadenscheinigen Gründen oder wegen vordergründiger Gewinnabsichten nicht weiterleben dürfen. Ich finde es gut, wenn wir auch diesen Schmerz miteinander teilen. Wenn niemand mehr Schmerz darüber empfände, dass Bäume sterben, würde das Abholzen wohl noch schneller vorwärts gehen... Ich verstehe, dass Wald nicht nur Erholungswald und Lebensraum für tierische Vielfalt sein kann, sondern auch ein Gut ist, mit dem gewirtschaftet werden muss, weil mit Waldeigentum auch Kosten verbunden sind und Holz eine wichtige unter unseren natürlichen Ressorcen ist, mit und von der wir leben. Was ich zz. sehe und wahrnehme, ist gewalttätig und wenig respektvoll gegenüber diesen alten Bäumen und hat mit nachhaltiger Waldnutzung und ökologischem Waldumbau nicht viel zu tun. 

In heaven.
Bunt ist die Welt.

Eure Baumfreunde: