Sonntag, 30. Oktober 2016

Mein Freund, der Baum (44)





 


Als wir neulich auf Zingst waren, haben wir an einem regenfreien Tag den Osterwald zum Teil umrundet und einmal durchquert. Es ist das zweite große Waldgebiet neben dem Darßer Wald auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Losgezogen sind wir vom Parkplatz am Hotel Schlösschen Sundische Wiese aus, zunächst Richtung Deich, hinter dem ein ausgedehnter Bruchwald liegt, ein Lebensraum par excellence und eins der Totalreservate im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.











Anschließend ging es den Deichweg entlang Richtung Zingst, nicht besonders schön zu laufen auf dem Asphaltband, an dessen Rändern sich nachts die Wildschweine gütlich getan hatten. Es gab zunächst nur Blicke in den Wald hinein, über den Graben mit dem vielen Pfeifengras hinweg, aber selber hinein in diesen feuchten Regenmoorwald konnten wir noch nicht...












... bis sich endlich ein schmaler Pfad öffnete, dem wir ungefähr 100 m weit folgen konnten, bevor er sich - für uns - in sumpfigem Gebiet verlor, wohl doch nur ein Wildwechsel... Aber wir freuten uns an den Einblicken und ich war glücklich, dass sich der Gefährte mit seinen Krücken traute mitzukommen ;-). 





 


Es ist faszinierend zu sehen, wie dynamisch sich ein Gebiet entwickeln kann, und wie wenig Ordnung in der Natur mit unserem "ordentlich" zu tun hat... Ganz skurrile Baumgestalten, die schon Einiges hinter sich hatten, tauchten vor uns auf. Altes, Junges, Sterbendes und Abgestorbenes nebeneinander und jedes davon Lebensraum für spezialisierte Arten, größtmögliche Vielfalt im Rahmen der gegebenen Bedingungen. Nach unserem Rückzug ging es weiter auf dem Deich bis zum "Dreiländereck", von wo aus wir nun den Wald vom Meer Richtung Bodden durchquerten. Aber erst mal noch ein bisschen von dem, was wir links und rechts vom Deich zu sehen bekamen.






"Gallapfel"




Nun ging es endlich in den Wald. Ein Genuss. Und alles ohne Regen, sogar mit dem einen oder anderen Sonnenblinzeln. Doch schaut selbst. So beeindruckend, so viel Lebendigkeit, ein Strukturreichtum, wie er für die spezialisierten Ansprüche verschiedenster Lebewesen nötig ist. Diesen Strukturreichtum versuche ich im Kleinen auch in meinem Garten zu bieten... Deshalb ist er wild und für manchen Garten-Ordnungs-und Sauberkeitsfanatiker sicher gewöhnungsbedürftig. Aber Pflanzen- und Tiervielfalt, ihre Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen sind mir echt soviel mehr wert als mich vor fragenden Blicken über den Gartenzaun ducken zu wollen und herkömmliche "Ordnung" zu schaffen. Im Gegenteil, über den Gartenzaun entsteht so manches erhellende Gespräch über die Schönheit und Faszination wilder Gärten... ;-).








Auffällig die vielen Bauten der Waldameisen.

Wurfteller einer umgestürzten Fichte.

Fichtensämlinge, Frauenhaarmoos, Farnjunges und Klee






Die Baumriesen sind es dann natürlich immer, die besonders stark beeindrucken... Buchen, Eichen, Kiefern sind die dominierenden "Alten", dazu noch viele Birken und Ebereschen, die aber keine so lange Lebensdauer haben, wie Eichen und Buchen sie schaffen.








Für mich ist dann auch immer noch der Blick nach oben in die Baumkronen etwas, das sein muss..., sich durchs Blätterdach hindurch in den Himmel träumen, bewacht von einer guten alten Baumfee... Wäre ich allein gewesen, hätte ich an diesem Platz wohl eine Weile unterm Baum gelegen, alle Sinne weit offen...





 

Langsam wurde der Weg wieder lichter, und vorbei an tanzenden Bäumen und wunderlichen freundlichen Zwergen ging es weiter voran...































Zum Boddendeich hin wurden die Bäume immer jünger, der Wald immer lichter und feuchter... So schön, auch zu wissen, dass hierher die fragwürdige Bautätigkeit nicht wird vordringen können. So haben wir doch Lust, auch die andere Hälfte des Waldes zu erkunden und auch den urwüchsigen Darßer Wald und dessen wilden Weststrand.








Und schließlich tauchte er vor uns auf, der Deich zum Bodden. Dort machten wir Pause, einen "Notapfel" habe ich nämlich immer dabei... Danach wanderten wir drei km auf dem Deich zurück zum Parkplatz, mit herrlichen Blicken auf den Bodden, die kleinen Inseln, die Sundischen Wiesen. Aber das ist dann schon wieder ein anderer Spaziergang...

Nun seid ihr aber dran mit euren Baumfreunden. Ab dem letzten Sonntag im Monat habt ihr immer drei Wochen lang Zeit, Baumposts - aktuelle oder auch ältere - hier bei mir zu verlinken. Ich freue mich über wertschätzende, naturkundliche, poetische oder künstlerische Blicke von euch auf diese tollen Lebewesen und auf Geschichten von eurer Beziehung zu Bäumen.

Sonntagsfreude   Sonntagsglück   




Kommentare:

  1. Wie schön so ein Wald doch ist! Wunderbar und dieses tolle Grün und die Wurzeln finde ich sehr schön!
    Sei herzlich gegrüsst, Rita

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  2. so ein herrlich wilder wald ist immer eine wunderwelt, zum staunen, zur erholung und entspannung, zur freude, zum anregen aller sinne, zum atemholen in hektischer zeit. wir waren gestern ganz lange im elm unterwegs und hinterher waren alle kopfschmerzen verschwunden. die bunte herbstwelt des buchenwaldes zeige ich nächsten sonntag - heute habe ich erstmal "gesittete" bäume mitgebracht, nicht minder schön!
    liebe sonntagsgrüße
    mano

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  3. Wunderschöne Bäume! Liebe Grüße von Christine

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  4. Mit so viel Wildnis kann ich heute nicht dienen, nur mit Stadtwald...dir aber hoffentlich auch zur Freude.
    Die (geliebten) Waldameisennester habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Da merkt man, dass ich schon lange nicht mehr in einem richtigen Wald war. Dafür bin ich gestern über Baugerüste geklettert in St. Severin. das hättest du auch spannend gefunden.
    Einen schönen Sonntag!
    Astrid

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  5. Liebe Ghislana,
    mein Respekt gilt heute dem Gefährten der diesen ausgiebiegen Waldspaziergang auf Krücken bewältigt hat!
    LG pipistrello

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  6. Es ist so lange her, seit ich durch einen Naturwald streifen konnte.
    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Herzlichst, Christa

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  7. Alles, was ein Wald zu bieten hat, in einem Post, liebe Ghislana, von skurril bis alt und ehrwürdig, so vielfältig wie bei den Menschen, Bruchwald, Birkenwald und das Foto Nr. 15 so unwirklich wie gemalt, herrliche und besondere Fotos. Von mir kommt auch noch ein Beitrag. Aber erst ist Borkum an der Reihe. Einen schönen Sonntag und liebe Grüße von Edith

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  8. Ich liebe Buchenwälder. Wunderbare Eindrücke hast du da mitgebracht von verwunschen wirkenden Waldgebieten. Schon allein diese dicken Wuzeln, die da am Boden entlang kriechen...Ich schaue mal, ob ich nächste Woche für dich ein paar Bäume auftreiben kann...;-). Liebe Grüße, Lotta.

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    1. So...jetzt habe ich dir noch ein paar herbstliche Bäume mitgebracht...Liebe Grüße.

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  9. Soooo schön! Einen schönen Sonntagabend wünsche ich dir. Regula

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  10. eine frische waldluft bringen deine bilder * zum aufatmen, sich entspannen * früher war mein wohnort ganz nah an wälder und brauchte nur einige schritte um dort wohltuende atmosphère zu fühlen. danke für die schöne bilder voll "magie de la forêt"!

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  11. Liebe Ghislana, herrliche und wunderschöne Baumbilder hast Du zusammengetragen! danke dafür!
    Hab einen guten Start in eine schöne neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  12. Wie immer - wunderschöne Bilder!

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  13. Wundervoll waldig!!! Ich finde, draußen zu sein lohnt sich immer - auch wenn das Wetter nicht ganz so freundlich ist.

    Liebe Grüße,
    Veronika

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  14. Wunderbar! Ich war vor Jahren mit der Uni auf Zingst und durfte (als Ökologie-Studentin) durch die WIldnis und die WÄlder stapfen, das war so traumhaft.
    Die alten Buchen, aber auch die Erlenbrüche haben es mir da wirklich angetan. Jetzt machst du mir richtig Lust wieder hinzufahren.

    LG; Gesche

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  15. Sehr gerne bin ich dir gefolgt auf deinem Weg durch den Wald!
    Das ist eine Gegend in der ich noch nie gewesen bin.
    LG Heidi

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  16. was für ein wunderschöner Spaziergang
    und in die Baumgestalten kann man so manches hinein phantasieren ;)
    liebe Grüße
    Rosi

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
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