Sonntag, 22. Februar 2015

Mein Freund, der Baum (21) - Freiberger Bäume

Himmel überm Krankenbett, frostig und wunderbar blau


Meine Wahrnehmung der winterlichen Freiberg-Ferien-Woche Anfang Februar ist wesentlich durch die Tage von Krankheit und Trauer getönt und erst jetzt beim Sortieren der wenigen in diesen Tagen entstandenen Bilder stelle ich fest, dass es vor dem zeitweiligen Zusammenklappen zumindest zwei kürzere schöne Spaziergänge gab und das Material sogar reicht, daraus heute neue Baumfreunde vorzustellen, ein schöner Anlass nun wieder regelmäßiger ins Bloggen zurückzukehren.

Eiche am Straßenrand in Freiberg
Ein paar Schritte den Freiberger Forstweg hinunter Richtung Stadtzentrum liegt links der Saubachweg und darin versteckt ein Naturspielplatz mit mehreren schon sehr alten Bäumen. Dass es den Stadtvätern wert war, dieses Refugium insbesondere Kindern und Vögeln zu erhalten, verdient ein großes Lob. Denn wie sehr gerade Stadtkindern solche Räume fehlen und wie wichtig diese für die gesunde physische und psychische Entwicklung von Kindern sind, hat die Wissenschaft längst bemerkt. Ein wissenschaftliches Schlüsselwerk dürfte Ulrich Gebhards Buch "Kind und Natur" sein. Aus verschiedenen Perspektiven verfolgt der Arbeitskreis Naturerfahrungsräume das Thema. Und der Naturgartenverein mit dem Inspirator Reinhard Witt an der Spitze hat bereits viele Naturerlebnisräume für Kinder in Kitas, Horten und Schulen und für öffentliche Räume konzipiert und mit ihnen zusammen gebaut.

Ich war schon ein paar mal dort, in dem Freiberger Naturspielraum, habe auch auf einer der Bänke gesessen, gelesen, im Herbst Eicheln gesammelt und wohl auch schon einmal dort fotografiert, ohne diese Bilder jetzt jedoch wiedergefunden zu haben...So bleibt es heute bei den Winterbildern...

Normalerweise zeichnet sich ein Naturspielplatz auch dadurch aus, dass die Kinder eher weniger gestaltete und funktionale Spielelemente vorfinden als vielmehr natürliche Flora (mit der Möglichkeit dort auch die dazugehörende Fauna beobachten zu können....) und viel natürliches "Zeug" zum Manipulieren und Selbergestalten, wie z. B. Sand, Steine und mobiles flexibel einsetzbares naturbelassenes Holz- und anderes Pflanzenmaterial. Das gewährt dieser wunderbare Freiberger Naturspielraum mit den alten Bäumen jedoch leider noch nicht. Er unterliegt (noch) sehr dem überwiegend "ordentlich-sauberen" Pflegemanagement für Grün- und Parkanlagen. Die Wiese wird kurz gehalten und gemäht bis an die Zäune heran, völlig unnötig und wider ihre Natur. Die Strauchschicht wird mehr als sinnvoll beschnitten und jeder Gehölzschnitt weggefahren. Kaum Gelegenheit für die Kinder Rückzugsorte zu entdecken und z. B. mit Höhlen auszubauen und in ihre Rollenspiele zu integrieren. 

Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass Gesträuch ungehindert wachsen darf und eventueller Gehölzschnitt für die Kinder zum Bauen verfügbar liegen bleibt, dass die Wiese zumindest an ihren Rändern ungehindert wachsen und blühen darf. So käme die tolle Idee dieses Freiberger Naturspielplatzes einem wirklichen Naturerfahrungsraum für die Kinder ein großes Stück näher.

Die alten Bäume hier sind Eichen, Buchen und Kiefern. An die erinnere ich mich genau. Auch alte Obstbäume haben sich dort versteckt. Was sonst noch an Bäumen dort wächst, muss ich nachschauen, wenn die Blätter wieder wachsen. Und dann kommen diese Baumfreunde vielleicht noch einmal hierher. So ein schönes Gelände in der Nähe unseres Freiberger Refugiums zu wissen und besuchen zu können, ist eine Sonntagsfreude.


Zu Himmelsfreuden und Sonntagsfreuden hier entlang: In heaven. Sonntagsfreude.
Und wie geht es euch und euren Baumfreunden? 13 x Bäume gab's in den vergangenen vier Wochen hier. Nun habt ihr wieder vier Wochen Zeit eure Bäume und eure Geschichten hier unten zu verlinken. (Achtung: Ich habe mich nach Ablauf der Nutzungsmöglichkeit bei Rebekka nun selbst bei Inklinkz angemeldet und hoffe, alles richtig eingerichtet zu haben... Falls nicht, muss ich noch mal schauen und euch bitten eure Links erstmal in den Kommentaren unterzubringen. Aber ich hoffe mal, alles klappt... Denn am Dienstag wollen wir ja auch wieder Bilder-Pingpong spielen! Und am kommenden Samstag in wilde Februargärten schauen.)

Kommentare:

  1. es ist schon komisch, was manche menschen unter naturspielräumen verstehen. bloß weil sich ein spielplatz unter bäumen befindet und hölzerne spielgeräte enthält, ist er noch ganz lange nicht "natur". hier im größeren nachbardorf gab es einen ähnlichen platz, der inzwischen aber dank (!) mangelnder gelder nicht mehr "gepflegt" wird. und das hat ihm unglaublich gut getan!! denn jetzt bauen die kinder dort höhlen und hütten, benutzen stöcke als spielmaterial, klettern auf alte apfelbäume etc.
    vielleicht kannst du deinen heutigen beitrag ja mal an die zuständigen in der stadt freiberg schicken, bzw ihnen vorschlagen, mal ein anderes konzept zu erstellen...
    mir gefallen die freiberger bäume sehr.
    liebe grüße, mano

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  2. ...wie gut, liebe Ghislana,
    das zumindest die Bäume erhalten bleiben...und vielleicht folgst du wirklich Manos Rat, vielleicht hat ja bisher niemand weiter drüber nach gedacht und sie setzen was von deinen Vorschlägen um?
    einen Baum aus Bad Kreuznach habe ich auch noch, muß ich nur noch posten...

    dir einen frohen Sonntag,
    lieber Gruß Birgitt

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  3. Ähnlich dachte ich gerade auch, dass "Natur" als ein besonderes Element den Kindern nahe gebracht werden "muss" - aber gut, dass es überhaupt Bewegungen in diese Richtung gibt. Gerne erinnere ich mich an vor Schlamm und Dreck von alleine stehende Hosen unserer Kinder und deren Taschen voller schöner Steine, Stöckchen und Schneckenhäuser (auch schon mal noch bewohnt).
    Für dich hoffe ich, dass die Kräfte zehrenden Tage durchstanden sind. Im Augenblick kann ich es nachfühlen. Die Baum- und Gartengeschichten gefallen mir sehr und locken zum (wieder) Mitmachen - was die Zeit hergibt muss ich sehen.
    Mach's gut, Birgit

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  4. Ja, da sprichst du mir aus dem Herzen. Mein Sohn geht in die Schule um die Ecke (Th. Körner) und ich kenne diese Gegend um den Forstweg sehr gut. Am Anfang, als alles neu war, war es noch schlimmer....wir waren mal dort, aber unser kleiner Sohn konnte gar nicht dort hochklettern und Bäume zum raufklettern gibt es, glaube ich, auch nicht. Es ist sehr aufgeräumt. Wenn ein Spielplatz den Namen Naturspielplatz in Freiberg verdient, dann der im Evangelischen Kindergarten. Er ist schon mehrfach ausgezeichnet worden.
    Ich hoffe, es geht dir nun wieder besser....einen schönen Sonntag noch,
    LG Sigrun

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  5. Auch von mir viele gute Wünsche für dein weiteres Erholen und Kräftesammeln - Pausen tun gut, auch beim Bloggen.
    Die junge Eiche zwischen den weißen Häusern wirkt so in sich ruhend und freundlich, fast wie ein Mensch, der einen mit strahlendem Lächeln und weit geöffneten Armen zum Verweilen einlädt - schade, dass da nur Autos stehen und nicht ein kleines, feines Bänkchen... :-)
    Aber bei dir zuhause gibt es, glaube ich, auch sehr schöne Verweil-Plätzchen.
    Herzlich, Brigitte

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  6. so ein Spielplatz mit grosse alte Bäume finde ich ja sehr gut, denn man bewahrt die Bäume und gleichzeit können die Kinder dort spielen und etwas gutes fühlen, denn auch in diesem mini-Wald gibt ein entspannungsgefühl. als Kind kannte ich auch so ein kleiner Park mit Buchen/Eichen/Pinien und einige Kinder-Spielanlage und es war ein Treffpunkt und heute gehen noch die älteren dort um auf einer Bank zu plaudern ... und den Kindern zuzuschauen. die Bäume verleihen dem Spielort so vieles - es ist die Natur in dem Wohnungsviertel. Danke für deinen schönen winterlicher Bericht von heute !

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  7. Schon wieder Bilder von Freiberg...heute ist mein Glückstag! Ein toller Spielplatz! Sehr schön, deine Baum-Impressionen! Dir noch einen schönen Restsonntag! LG Lotta.

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  8. Schön, mal einen Spaziergang in Freiberg machen zu können!
    Der Baum auf den unterstewn beiden Fotos hat etwas ganz Besonders für mich...

    Apropos: falls Du mal Richtung Harz kommst, könnten wir die Caspar-David-Friedrich-Eiche vielleicht gemeinsam besuchen? Ich lebe in Wernigerode, von dort aus fährt auch die Bahn dort rauf... (und ich hoffe, gesundheitlich bald endlich wieder okay zu sein, es reicht langsam - )
    Liebe Grüsze
    und eine gute neue Woche
    Mascha

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  9. Liebe Ghislana, meine Biergartenlinde hast du ja schon entdeckt - ich bin heute spät dran. Eigentlich haben fast alle meine Lieblingsorte einen großen Baum oder viele kleine - weil das einfach zu einem schönen Ort dazugehört.
    Naturspielorte sind einfach unersetztlich - wir hatten auch einen, als ich ein Kind war. Leider wurden all die aufregenden Spielmöglichkeiten wie die Seilbahn, die Hütte und das riesenhafte Schaukelpferd für 5 in den letzten 40 Jahren nach und nach entfernt und durch tüvgeprüfte, sterbenslangweilige Spielgeräte ersetzt. Jetzt ist der Waldbolzplatz immer leer.
    Besonders gut gefällt mir unter deinen Bäumen übrigens der Baum auf dem letzten Bild - weil es ein prädestinierter Kletterbaum ist. :-)

    Herzlich, Katja

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  10. Hallo Ghislana,
    wunderschöne Baumfotos sind das. Einfach toll! Und bei Euch liegt auch noch Schnee, dabei schaut es gar nicht so unfreundlich aus wie bei uns. Man muss die Dinge nur mal von der anderen Seite betrachten und schon gefällt mir der Schnee wieder...
    LG
    Manu

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  11. Liebe Ghislana,
    Ohne " meinen" Buchenweg, nicht weit vom Kindergarten entfernt, wäre meine Kind und Jugendzeit gar nicht zu denken. Wir bauten Buden aus Blättern und Stöcken und Moos . Gruben die Rinnsale aus und legten kleine Wehre an .
    Das Rascheln unter den Schuhen höre ich heute noch ganz genau.
    Den Buchenweg gibt es noch und auch Kinder, die sich beherzt ins Laub fallen lassen.
    LG Angela

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  12. Orte in der freien Natur sind so wunderbar und wichtig in der Kindheit. Ja, da wäre doch eine tolle Gelegenheit....
    Wir hätten hier in der Gegend davon eine Menge zu bieten - aber kein Kind ist dort zu sehen. Sie werden mit dem Auto zum Spielplatz und zurück gefahren.
    Katja hat recht, auf dem letzten Bild ist ein wunderbarer Kletterbaum zu entdecken. Den hätte meine Tochter früher nicht ausgelassen ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  13. Liebe Ghislana, ich freue mich sehr, diese schönen Bilder zu sehen. Kann mir gut vorstellen, wie es sich gut sein läßt in dieser Atmosphäre. Fast ein wenig verwunschen mutet der Platz an ...
    Es ist schön zu lesen, dass es Dir wieder besser geht. Der Februar mit seinen ganz eigenen Herausforderungen hat also auch bei Dir angeklopft.

    Ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche und gute Schritte in den Frühling.
    Erika

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  14. ja, nicht jeder angepriesene naturspielplatz ist unbedingt einer. gestern waren wir an einem unserer lieblingsplätze hier in der umgebung, einem alten aufgelassenen kloster in einem naturpark. schon im sommer wurde hier begonnen, einen angeblichen naturspielplatz zu errichten - der boden geschottert. der platz mehr oder weniger eingezäunt. neu nun ist ein wasserspielareal hinzugekommen - anstelle der früheren naturwiese, in der wir unter anderem die gottesanbeterin entdeckt hatten und unzählige verschiedene wildblumen und wildkräuter wuchsen. nebenan gleich mehrere bäche und der wald mit unzähligen natürlichen spielmöglichkeiten. da frag ich mich dann schon... im kloster hat eine familie eine kleine sehr naturnahe landwirtschaft mit allerhand getier - wirbelwinds anlass immer wieder dorthin zu wollen. nur dass auf einmal die mangalitza- und hängebauchschweine nicht mehr frei herumlaufen. diesmal bot sich gelegenheit nachzufragen - die amtstierärztin war im sommer da und sei entsetzt gewesen, dass die schweine überall in den wald und die wiesen können. die familie dürfte das fleisch nicht mehr verkaufen, wenn die tiere nicht eingehegt würden, sie könnten sich ansonsten womöglich an eventuell erkrankten wildschweinen anstecken - dass die dort mitten im wald auch an den zaun kommen, war der amtstierärztin wurscht. und dass die wildschweine dort auch gejagt und das fleisch dann auch in den verkauf gelangt, ebenfalls - dass sei ein anderes problem.
    der wirbelwind, der künstler und ich sind jedenfalls gestern dann kopfschüttelnd an dem spielplatz vorbei mitten in den wald gestiefelt, wo der wirbelwind bäume erklommen hat, äste gesammelt und eine hütte gebaut hat, dabei noch einen österreichischen prachtbecherling entdeckte, eigenartige pflanzen, deren namen ich erst herausfinden muss, ein rehlager gefunden hat mit losung und einen wunderschönen roten baumpilz, während der junghund über und unter stämmen herumgeschanzelt ist und schließlich seinen einst wurmgeplagten magen und darm mit moos behandelt hat... und einen weiteren kleineren bach haben wir nicht unweit des naturspielplatzes entdeckt, dort will der wirbelwind ab wärmeren tagen ein wasserrad selber bauen - weil "das, was die da am spielplatz haben, das kann ich mir hier einfach selber machen".
    ich sehe naturspielplätze als gut und sinnvoll an im städtischen raum. aber hier mitten im naturpark entzieht sich mir das verständnis dafür...
    herzliche grüße
    dania, die deine freiberger baumfreunde trotzdem sehr genossen hat!

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
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