Samstag, 27. Dezember 2014

Adventspost 2014 - mein September 2015

Im Advent Kalenderblätter für einen bestimmten Monat und für eine Gruppe mit 13 Teilnehmer/innen zu drucken und damit einen ganz individuellen Jahreskalender 2015 zu schaffen - die Aufgabe des neuen MailArt-Projekts von Tabea und Michaela schien gut machbar..., auch neben dem Beruf und neben den privaten Weihnachtsvorbereitungen...



"Experimentell" gedruckt, also ohne professionelle Presse, mit diversen Druckstöcken, hatte ich schon einige Male, so dass ich mich ganz arglos für die Gelatine-Druck-Adventspost anmeldete... In meinem Fundus verfügbare Recyclingpapiere waren schnell aufs verlangte Maß von 21 x 21 cm zurechtgeschnitten und bereit gelegt. Auf dem Werktisch genug Platz zu schaffen war schon eine größere Herausforderung, aber schließlich auch geschafft. Dann las ich die ersten Posts von kleinen oder größeren Katastrophen mit der Gelatineplatte, von "schöner scheitern..." war bei Lucia die Rede, und leise Panik schlich mich an....

Inzwischen für den Ausklang meines Berufslebens überwiegend mit Arbeit in der Wohngegend versorgt und daher seit einigen Wochen ohne eigenes Auto und meist bequem zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs, sind Bioläden nun aber in weitere Ferne gerückt, Agar-Agar im "Dorfkonsum" nicht zu bekommen, also dann doch Gelatine. In der Küche hatte ich sie noch nie genutzt und nun fürs Drucken gleich mit vierfacher Konzentration für 1,5 l angerührt. Vorgewarnt durch Berichte über Druckplattenbrüche suchte ich lange nach einem geeigneten flachen Gefäß, in dem die Platte während ihres Lebens bleiben könnte und fand es im erhalten gebliebenen Aufsatz eines ausrangierten Plastikblumenhockers. Da ich bei Heidi auch von Farbklebereien beim Auswalzen der Farbe auf der Gelatineplatte gelesen hatte, mixte ich meine vorhandenen wasserlöslichen Linoldruckfarben doch lieber traditionell auf einer Glasplatte vor.

Dann die für mich höchst angenehme Überraschung, es ging eigentlich von Anfang an alles wie geschmiert... Die Farbe verteilte sich gut und ohne zu kleben auf der Platte und es ging los mit Druckphase Nr. 1 - einer gelben, durch eingelegte Fäden leicht landschaftlich strukturierten Fläche. Das warme leichte Frühherbst- oder Spätsommer-Gelb sollte unbedingt auf meine stilisierten, den Farben von Herbstlandschaften nachempfundenen Drucke.  Ich hatte ein ungefähres Konzept, dem ich konsequent treu blieb, für Experimente, die vielleicht den Postversand-Termin in Frage gestellt hätten, konnte ich mir diesmal leider keine Zeit nehmen...









Meist habe ich von einem Farbauftrag zwei Drucke abnehmen können, z. T. Positiv- und Negativvariante (letztere ohne Fäden, nur das Muster, das sie auf der Platte hinterlassen hatten). Ein Vorteil der Gelatineplatte ist, dass sie fest ist und doch wunderbar nachgibt, und man verschiedene dünne und dickere Papierarten gut durch sanftes Ausstreichen an die eingefärbte Platte anlegen kann. (Meine Platte hatte auch nach drei intensiven Drucknachmittagen keinerlei Zerfallserscheinungen und es tat mir leid, sie nach 10 Tagen wegzutun, weil ich so kurz vor Weihnachten einfach den Kühlschrankplatz wieder für Lebensmittel brauchte...)


Druckphase Nr. 2 sollte dann das auch im September noch satt vorhandene Grün hervorheben, in einem Ausschnitt durch eine Schablone aus alten Plastik-Ordner-Registern, die ich in meinen Ordnern gegen Papp-Register ausgetauscht aber einer Eingebung folgend nicht entsorgt hatte. Da ich an Druckfarben in meinem Sortiment nur die drei Grundfarben + Weiß und Schwarz führe, war Mischen angesagt. Auf manchen Drucken sind die gelben und blauen Zutaten fürs gewünschte Grün noch belebend sichtbar geblieben. Z. T. strukturiert wurde die Fläche durch leicht stempelnde Drehbewegungen mit einem Folienknäuel, das ich nach den ersten Versuchen sehr schnell in eine leere Toilettenpapier-Papphülse steckte, so dass die Finger (und damit auch die Drucke und Schablonen) relativ sauber blieben...


Die in dieser Phase auch nach zwei Drucken noch vorhandene grüne Restfarbe auf der Platte habe ich jeweils mit Weihnachtsbäumchen "abgeklatscht", die (dank der Umsicht meines Sohnes) in weißer Unschuld als Stanz-Überbleibsel aus einem Auftrags-Mailing zu einigen Hundert aus einer Druckerei zu mir gefunden hatten, statt gleich im Altpapier zu landen... Dieses Jahr sind nun aus einigen davon kleine Anhänger für Weihnachtspost und -geschenke geworden...

Jetzt verlassen uns die Fotos, denn beim 3. Druck - Orange - unter Schablonenschutz für den grünen Teil der Drucke und mindestens ein oberes gelbes Viertel - habe ich vor lauter Konzentration beim Schablonenlegen und Einsortieren noch mal eines Wollfadens das Fotografieren komplett vergessen... Aber vielleicht kann man sich dennoch vorstellen, wie es nun weiter ging. Etwas mehr Ocker-Toniges à la Stoppelfelder hatte ich mir eigentlich gewünscht, aber nicht so einfach in den erforderlichen Mengen mit meiner Grundfarbenausstattung hinbekommen. Also habt ihr bei mir noch ganz viel Orange von Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Kokardenblumen und Sonnenbraut im Angebot des September... Beispielhaft hier drei Ergebnisse.




Und nun alle die 12, die ich verschickt habe an die Teilnehmerinnen meiner Gruppe. Wie sich das 13. bei mir verbliebene Septemberblatt unter den verschiedenen wunderbaren Kalenderblättern des kompletten Jahres ausnimmt, habe ich hier schon gezeigt.

Viele Proben und Reste sind nun noch übrig, und ich bin gespannt, wie sie weiter bearbeitet werden... 

Das Projekt hat großen Spaß gemacht und ich freue mich darauf, wenn ich den Kalender nun aufhängen kann. Großen Dank noch mal an alle meine Gruppenmitglieder!!! Vor der Anschaffung einer (für meine Ansprüche...) ausreichend großen "dauerhaften" "Gelly-Plate" allerdings scheue ich einerseits aus Kostengründen noch zurück, aber andererseits auch, weil ich bisher nicht ergründen konnte, was sich für Inhaltsstoffe in einer solchen Platte befinden... (Hat da jemand Ahnung oder Hinweise?) So war diese Druckerfahrung vielleicht einstweilen für mich nur ein faszinierend schönes Intermezzo...


Alle Arbeiten unserer Gruppe hier bei mir (EDIT - alle Gruppenbeiträge besonders schön auch bei Lotta), falls vorhanden, mit Links zu den Druck-Blogbeiträgen der Schöpferinnen.  Das große Gelatine-Druck-Abenteuer aller Gruppen hier.   

Und wegen der Freude am kreativen Schaffen, das bei mir durch solche "Gruppen-Arbeitsteilung" und gegenseitige Inspiration immer noch mal einen besonderen Schub bekommt, erkläre ich unseren feinen selbst gedruckten MailArt-Kalender 2015 diesmal zu meiner Sonntagsfreude.

Außer ordentlichen, aber ohnehin vorhandenen Farben, verwendete ich für meine Druckereien nichts Neues, alles aus dem Fundus und altes Zeug...: Papiere, Strippen, Form für die Platte, Schablonen-Rohmaterial, Weihnachtsbäumchen... - also gibt das doch auch mal wieder einen Upcycling-Dienstag-Beitrag bei Nina!

Kommentare:

  1. Ja, liebe Ghislana...eine wahrhaftige Sonntagsfreude...für mich auch, wie man morgen sehen kann...;-). Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich mitgemacht habe...Dir ein schönes Wochenende! LG Lotta.

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  2. Das scheint auf jeden Fall eine sehr befriedigende Tätigkeit gewesen zu sein - mit schönen Ergebnissen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Liebe Ghislana, vielen Dank für diesen ausführlichen Einblick. Ich bin ja immer wieder fasziniert davon, wenn jemand die Geduld aufgebracht hat, mehrere Druckdurchgänge für sein Kalenderblatt auszuführen. Ich hab' das irgendwie nicht geschafft. ;)
    Zur haltbaren Gelatineplatte: ich habe gleich ein Rezept verwendet, das Tabea auch verlinkt hatte:
    https://www.youtube.com/watch?v=JnPv-XrIsXM
    Da kommen außer Gelatine und Wasser noch Isopropanol und Glycerin rein. Das hat meiner Ansicht nach gut geklappt und bisher liegt meine Platte auch noch haltbar in meinem Hobbyzimmer. Ich habe sie in einer flachen Schale, darüber ein bisschen Frischhaltefolie, ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie austrocknet oder ähnliches.
    Vielleicht wäre das eine erste Alternative für dich zum Testen, bevor du eine fertige Gelly Platte kaufst. Isopropanol und Glycerin kann man normalerweise in der Apotheke kaufen.

    LG, Gerdi

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    1. P.S. Und natürlich habe ich es nicht erwähnt, weil ich wie immer vergesslich bin, aber deine Drucke sind schön geworden! :)

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  4. ...wie schön, dass du alles Schritt für Schritt zeigst, liebe Ghislana,
    so sieht es gar nicht so schwer aus...schön sind deine Drucke geworden und jeder ein bisschen anders...und schön, dass so ein Bäumlein mich hier an meinem Schreibtisch anlacht...

    wünsch dir einen guten Tag,
    lieber Gruß Birgitt

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  5. Zu solchen Tätigkeiten habe ich absolut gar keinen draht, leider, denn ich finde deine Kreativität ausgesprochen künstlerisch gut gelungen !
    Na ja, man kann halt nicht alles können ;-)
    ♥liche Grüße

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
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