Montag, 6. Oktober 2014

Wenn sich Kreise schließen...

Letztes Wochenende in Brandenburg an der Havel. Nach 40 Jahren ein Wiedersehen. Sich freuen. Sich anschauen. Einander zuhören. Staunen. Miteinander reden. Aus den Pfarrgemeinden und von der eigenen Arbeit, von der Familie erzählen. Von Freuden und Überarbeitung, von Seelsorge und Strukturen, von guten Zeiten und Brüchen. Langsam einander wiedererkennen. An der Stimme, am Sprachduktus, am Lächeln, am Lachen... 

Ich bin die von ihnen, die nach dem Theologiestudium nicht Pastorin geworden ist. Heute bin ich vor allem Natur- und Nachhaltigkeitspädagogin. Hat das, was ich heute tue, nun gar nichts mehr zu tun mit dem, womit ich mich damals im Studium beschäftigte? Als ich vor dem Treffen ein wenig in der Kiste mit den alten Studienunterlagen wühlte, fiel mir eine braune Umlaufmappe aus dem 4. Studienjahr in die Hände. (Heute hätte man dafür wohl einen allen zugänglichen Online-Ordner.) Damals gaben Professoren und Dozenten besondere Texte, Predigten, Artikel in einer Umlaufmappe herum, die von Student zu Student weitergegeben, gelesen (oder auch nicht) und abgezeichnet wurde. Das Thema dieser Mappe: Naturpredigt. Sie blieb bei mir hängen, diese Mappe, ich habe sie damals nicht weitergegeben, vermutlich nicht einmal richtig angeschaut. Der letzte Termin war von meiner Lesevorgängerin vor den Sommerferien eingetragen worden. Wir hatten damals das erste kleine Töchterchen, nicht viel Zeit zum Lesen... Die Mappe hatte ich also behalten. Absichtlich? Aus Versehen? Nun fühle ich jedenfalls Neugier auf ihren Inhalt und werde die Texte lesen, denn - auf anderen Wegen als gedacht - singe ich nun das Lied der Schöpfung. Das Leben läuft in Kreisen, die sich schließen. Manchmal ungeahnt und unverhofft, aber ganz deutlich werdend. Ganz werden. Die Mitte spüren. 

Miteinander essen. Miteinander gehen. Miteinander singen, spontan am Morgen in der Krypta des Brandenburger Doms. Wärme empfinden, Wohlsein, Frieden. Segen erbitten und sich in den Arm nehmen. Beseelt nach Hause fahren.



Short Stories #8: Wer bist du?
Sonntagsfreuden  
Noch ganz erfüllt vom Beisammensein und erst vorhin von noch einer weiteren kleinen Reise zurückgekehrt, sind die im und um den Dom herum entdeckten Mandalas in dieser Woche meine Montags-Mandalas, denn anderer bedarf es heute nicht... 

Kommentare:

  1. Ach wie wunderbar, liebe Ghislana...ich kann erfühlen, wie es war...und würde jetzt gern dort sitzen...in der Kirche...und zur Ruhe kommen...LG Lotta. P. S. Wir könnten uns ja gemeinsam mal in ein Café setzen...und Leute gucken...falls wir dann dazu kommen...;-)

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  2. Bewegende Momente - nach so vielen Jahren, so viel Er- und Gelebtem - Menschen wiederzutreffen, die einst ganz nahe waren. Dein beseelt sein strahlt durch deine Worte und Bilder.
    Hab eine gute Zeit, Birgit

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  3. Ich entdecke einen tieferen Sinn in dem geschilderten Sachverhalt... Unglaublich, liebe Ghislana, unter welchen Umständen die Berufung einen ereilt...
    Ganz herzlichen Dank für deinen schönen Kommentar heute! Ich habe mich sehr gefreut!
    Mir geht es gut, habe heute den Tag mit 2 Bloggerinnen verbracht und eine neue Landschaft kennen gelernt...
    GLG
    Astrid

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  4. So berührend, wie du das Wiedersehen beschreibst ...
    <3
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

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  5. ein eindrückliches beispiel für den berechtigten zweifel an zufällen.

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  6. "Das Leben läuft in Kreisen, die sich schließen" - diesen Satz mag ich ganz besonders an deinem Text. Danke und viele Grüße von Lucia

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  7. Für mich hat der Glauben sehr viel mit der Natur zu tun. Wenn man sich nicht am angeblichen Gegensatz von Schöpfungsgeschichte und Evolutionstheorie festbeisst, dann lässt sich erstere auch als Parabel verstehen. Naturreligionen handeln immer vom Leben im Einklang mit der Natur, vom gegenseitigen Lernen und von Respekt. In der christlichen Religion habe ich das immer etwas vermisst, aber vermutlich steckt es auch dort tief drin - wer predigt, Menschen mit Achtung und Respekt zu behandeln, der wird das hoffentlich auch mit der Natur tun.
    Nach mindestens 30 Jahren, in denen ich keinen Gottesdienst mehr besucht hatte, habe ich das im Spätsommer im Allgäu gleich zweimal getan - beide unter freiem Himmel auf einem Berggipfel. Es erschien mir der absolut perfekte Ort dafür zu sein, mitten in der Natur.

    Herzlich, Katja

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  8. es ist immer wieder so spannend, wie einen die wege hinführen!
    herzlichst, mano

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  9. Ja... die Kreise die sich schließen. Da spürt man, dass es einfach mehr gibt, als der Mensch zu fassen vermag, in solchen Momenten.
    Alles Liebe. maria

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  10. Oh, ich glaube, du hast da (bewußt?) einen sehr guten Weg gewählt, direkt in der Schöpfung tätig zu sein... vor 40 Jahren in Brandenburg Theologie zu studieren... das war bestimmt auch nicht einfach?
    Liebe Grüße,
    Sabine

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  11. Danke für die Worte und Gedanken. Und fein, dass das alles die Person aus Dir gemacht hat, die du heute bist, eine ganz großartige nämlich!

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
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