Samstag, 21. Juni 2014

Samstagskaffee aus (m)einem wilden Garten (12)

Das runde Dutzend meiner Serie "Samstagskaffee aus (m)einem wilden Garten" ist voll. Da wurde es Zeit: Mein wilder Garten ist nun ein "Hortus", ein "Hortus tranquillitatis", ein "Garten der Gelassenheit". Als Markus Gastl von seiner Fahrrad-Weltreise zurückkehrte, begann er etwas zu tun für die vom Menschen oft so geschundene Natur und legte seinen "Hortus insectorum", seinen "Garten der Insekten" an. Unermüdlich und einfallsreich sucht und findet er Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln, re- und upcycelnd, und mit geschickter und kenntnisreicher Pflanzenwahl, Lebensräume für Insekten und andere Tiere anzulegen. Und ebenso unermüdlich und leidenschaftlich erzählt er darüber, auf seiner Website, auf Facebook, in Führungen durch seinen Garten, und inzwischen auch in Vorträgen und in Schulen. Seine Begeisterung ist ansteckend und so zog die Idee des "Hortus" Kreise. Markus' erstes Buch erschien ("Der Dreizonengarten") und immer mehr Menschen wollen ihren Garten als "Hortus" sehen und gestalten. Die Idee zieht Kreise, ermutigende Kreise. Ich fühle mich - auch schon seit ich hier meine wilden Gartenbeiträge poste und eure oft so berührenden Kommentare lese - nicht mehr "daneben" und als "Spinner"(in) mit meiner "wilden" Art zu gärtnern..., sondern genau richtig... 


Blühen und Summen im Schutz der langen morgen-sonnigen Hauswand
Blühender Salbei im "alten" Hochbeet.
Der Frühlings-Blüten-Rausch ebbt ab..., Pfirsichblättrige Glockenblume zeigt noch einmal was sie kann.
Während die ersten Blumen schon an den Samen arbeiten (hier Gemeine Nelkenwurz)...
...blühen andere auf: Pfennigkraut am Teichrand,
die erste von einigen Nachtkerzen (wachsen zweijährig! Samenstände stehen lassen),
Tüpfeljohanniskraut.
v.l.n.r. Bartnelke, Margerite, Pfirsichblättrige Glockenblume, Teufelsspiere, Giersch, Waldmarbel, Milchstern, Deutzie, Filziges Hornkraut, Baldrian, Astilbe oder Waldgeißbart?, Falscher Jasmin (Pfeifenstrauch)
Mein Garten hat sich im Laufe der Jahrzehnte langsam dahin entwickelt, zum Hortus..., und als ich anfing darüber nachzudenken, ob mein Garten auch ein solcher "Hortus" sein kann, einer, in dem "wilde" Tiere Nahrung, Rückzugs- und Nistraum finden, wurde mir klar, was wohl am meisten dazu beigetragen hat, dass der Garten heute so lebendig ist wie er ist und mich morgens und abends vor der Haustür lautes Zwitschern und Summen verabschiedet oder begrüßt: tranquillitas..., Gelassenheit. Gelassenheit zu schauen, zu fühlen und zuzulassen, was die Natur mit meinem Garten vorhat, wenn ich nur wenig nachhelfe. So war der Name geboren: "Hortus tranquillitatis" - Garten der Gelassenheit.




Auch Lunaria ist schon dabei Samen zu bilden.









Meine Totholzhaufen sind als Rückzugs-, Nahrungs-, Nist- und Vermehrungsort beliebt, die Muschelkalk- und die Terrassenplatten werden heute von ihrer Überwucherung befreit und an die wenigen Sonneninseln in meinem Garten eingebaut, und ich freue mich auf ihre Neubesiedlung durch Pflanzen und Tiere. Neben zahllosen Insekten und Vögeln sehe ich in meinem Garten hin und wieder mal Blindschleiche, Frösche, Ringelnatter.

Libelle


Rosenkäfer mit unbekanntem Kumpel links, in der Kletterhortensie.

Kennt jemand dieses goldgewandete langfühlerige Flügelwesen? Sie fliegen in kleinen Schwärmen und vollführen anmutigeTänze. (EDIT: Degeers Langfühlermotte)
Bald blüht - früher als sonst im Jahr - der Wilde Oregano, Zeit für Schmetterlinge.
Was mein Garten ist und bleiben wird: klein (ca 500-600 qm), schattig (er ist am Kiefern-Waldrand gelegen, einst Wald gewesen und - mit einigen Bäumen - selber ein Stück Wald geblieben), trocken (durchlässiger Sandboden, wenig Niederschlag, keine künstliche Bewässerung außer aus dem Regenfass), voller wilder Blütenpflanzen, die sich auch mit solchen "Zuständen" arrangieren können und heimischen Insekten Nahrung bieten, naturnah. Neben Giersch, Brennnesseln, Hopfen, Walderdbeeren, Kulturheidelbeere und Kräutern wünsche ich mir noch mehr "zu essen" aus dem Garten, das neue Hochbeet wird Versuchsstation. 






Die Seele in meinem Garten ist Gelassenheit, Ruhe, tranquillitas... Auch meine menschlichen Gäste fühlen das. Denn das bleibt er auch, mein Garten: ein Garten der Gelassenheit für Menschen. Und das erleben zu können, ist immer wieder eine Sonntagsfreude, nicht nur am Sonntag...

Markus Gastls "Hortus insectorum", auch auf Facebook.
Die "Hortus-Gemeinde" hat auch auf Markus' Website Markus Gastrecht. Dort gibt es viele Links zu den einzelnen Gärten nach PLZ-Gebieten sortiert. Vielleicht habt ihr Lust auf eine Entdeckertour.

Habt ein schönes Wochenende - und wie immer freue ich mich, wenn ihr euren wilden Gartenlinks im Kommentar für alle notiert.

Mein Samstagskaffee und mein Wochenhimmel haben sich diesmal auf den Sonntag verkrümelt.
Mehr Samstagskaffee bei Ninja.
Mehr Himmel bei Katja.
Mehr Sonntagsfreuden bei Maria.



Kommentare:

  1. Was für eine tolle Idee...so ein Hortus insectorum... Ein klein wenig nähert sich mein Garten da schon an...denn unser Insektenhotel war schwuppdiwupp bezogen...was meine Tochter und mich sehr freut...Ich mag gepflegte Gärten gern ansehen, aber gerade die Vielfalt der Gärten ist spannend und die wilden Gärten haben unbedingt ihre Berechtigung...Dein Garten ist wunderschön! LG Lotta.

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  2. Die Ruhe überträgt sich bis hierher in den Westen, das Zwitschern und Gesumme! Möchte den Garten doch einmal in Natura erleben....
    Herzlichste Grüße von Astrid,
    die mit der Enkelin noch im Bett liegt & ein bisschen träumt....

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  3. Doch, dein Garten ist genau richtig! Mein Herz schlug gestern nachmittag auch höher, als mich ein Schmetterling im Garten besuchte und ganz besonderns lange und ruhig zu meinen Füßen verweilte.
    Ich bin glücklich, dass wir so viele Pflanzen aus einer Duftgärtnerei in den Garten gepflanzt haben. Überall summt und brummt es, die Schmetterlinge werden angezogen. Hach. Wenn andere unseren Mini-garten "wild" nennen, nehme ich es als Kompliment (und träume davon, einen sooooo großen wilden Garten zu haben wie du....)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Solch ein Reich braucht Ruhe und eben diese Gelassenheit, sich entwickeln zu können, Einsicht, dass "Sonnenanbeter" im Schattigen nicht gedeihen wollen , dafür aber anderes in dieser Umgebung dafür umso schöner wächst.
    Inzwischen hat der Girsch, der jetzt anfängt weiße Blüten auszutreiben, es sogar schon auf meine Fensterbank vorm Schreibtisch geschafft und ich freue mich daran.
    Tierisch und bunt geht es auch hier bei uns im Garten zu.
    Lass es dir gut gehen, Birgit

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  5. Guten Morgen!
    Wie gut, dass Du Dich nicht mehr als Spinnerin empfindest - denn von vielen Deiner Leserinnen wirst Du um diesen Traum beneidet oder bewundert - ich jedenfalls freue mich jedes Wochenende auf Deine Garteneinblicke. Auch wenn meiner das genaue Gegenteil ist, akkurat und geradlinig, gefällt er mir um so mehr. Das hat Lotta ganz richtig geschrieben, die Vielfalt machts aus.
    Dir weiterhin viel Spaß und GELASSENHEIT in Deinem wilden Paradies
    wünscht Dir Petra

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  6. hach - das ist so wunderbar - und genau das strahlen die bilder deines gartens auch aus - gelassenheit! - mein wunsch nach genau so einem "Hortus" besteht schon so lange, aber mein wirken in immer nur gemieteten bzw. geteilten gärten wurde immer als "verwilderung" bzw sogar "vernachlässigung" gesehen - dabei ist das weniger eingreifen, mehr geschehen lassen genau das, was einen naturnahen garten ausmacht - ein naturnaher garten brauicht zeit - nicht die des gärtners, sondern die zeit der gelassenheit, der achtsamkeit - aber wenn man von lauter "zurechtstutzern" umgeben ist, nutzt es auch nichts zu erklären, warum eine wiese, die niemals ein rasen werden wird, nicht jede woche auf wenige zentimeter gestutzt werden sollte und nicht ohne grund dadurch austrocknet und verkahlt, oder warum die heckenschere warten sollte bis nach dem johannistag, dss samenstände und hagebutten im beet oder am strauch belassen nahrung für tiere sind, die dem garten auch wieder helfen und das ansiedeln dieser tiere zum vorteil ist gegen so manche schädlinge... mein brennnesseleck hinter dem rosengarten, heimat vieler nützlinge, wo nie ein mensch vorbeikommt, wurde erneut gerodet - "wie denn das ausschaue"...
    mir werden sie immer unheimlicher, die zurechtstutzer, deren tun sich meist nicht auf den garten beschränkt, auch menschen, vor allem kinder, werden von ihrem drang nicht geschont ... ist es die angst, die "kontrolle zu verlieren", womöglich auch über sich selbst? in jedem falle ist es ungeduld. erst gestern fragte mich eine hausbewohnerin, warum denn die rosen alle schonb verblüht seien - na, weil es ihre natur ist und sie im juli eine ruhephase einlegen, um, wenn es öfterblühende sind, im august, september noch einmal die kraft haben, alles zu geben, um erneut zu erfreuen.
    hach, lange aufsätze und artikel könnte man darüber schreiben, mehr über die menschen, als über die natur - nur lesen, lesen werden es wieder nur diejenigen, die die sehnsucht nach echter natur schon in sich haben und sie schon leben. die nicht jedes kräutchen am besten schon im frühjahr rupfen und sich dann wundern, warum sie heuer keine ausgesämten blumen im beet haben und schon wieder neue kaufen müssen...
    verzeih, das war jetzt ein langer kommentar, dafür dass ich mich eigentlich um zahlen kümmern sollte. aber so vieles scheint so unwichtig zu werden, wenn man sich viel und mit allen sinnen in der natur aufhält...
    herzlichste gelassenheitsgrüße in deinen hortus!
    dania

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  7. ...Garten der Gelassenheit, liebe Ghislana,
    der durch Gelassenheit geworden ist und nun Gelassenheit schenkt...wie wundervoll...aus deinen Bildern und deinen Worten springt das direkt über...eine Freude...
    so möchte ich meinen Garten auch gern, nur kann ich den Schwiegervater nicht davon überzeugen, denn er schaut, dass die Nachbarn zufrieden sind, mit dem, was sie sehen...und hat das hohe Gras um den Teich gekürzt bis zum Boden und meinen großen Borretschbusch, den Nahrungsquell so vieler Insekten, herausgerissen...mit Gelassenheit werde ich weiter machen und weiter versuchen zu überzeugen...schon habe ich immer mehr freie Hand...

    meine letzten Gartenbilder hier: http://erfreulichkeiten.blogspot.de/2014/06/eine-ausgiebige-runde-durch-den-garten.html hast du ja schon gesehen...

    wenn die Eltern nachher ihre Mittagruhe halten, werde ich mich bei Markus Gastl umschauen, das interssiert mich...sehr,

    lieber Gruß Birgitt

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  8. Hallo Ghislana,
    Dein Garten ist genau richtig. Wild und wunderschön. Ich mag Naturgärten am allerliebsten. Mit großer Freude nehme ich an Deinen Samstagskaffee's im Wilden Garten teil.
    Wir haben gestern einen Hirschkäfer beim Eierablegen in den Stumpf eines vor acht Jahren gefällten Zwetschgenbaumes beobachten können. Das geht nicht in einem Garten, der von vorne bis hinten durchgestylt ist.
    Liebe Grüße von Ingrid

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  9. was für ein wunderbarer bericht aus deinem garten und was für eine freude, die "hortusse" kennenzulernen. bisher wußte ich nur von naturgarten e.v., jetzt werde ich mir das buch über den dreizonengarten besorgen. ich bin gespannt, was ich davon schon verwirklicht habe.
    ganz liebe grüße auf die rote bank, mano

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  10. Liebe Ghislana,
    meine Eltern bauten 1965 ein kleines Haus auf einem 1.500 qm großen Grundstück. Der Garten meiner Eltern wies eine Artenvielfalt ohne Gleichen auf. Ich erlebte bereits als Kleinkind wie naturgemäßes Gärtnern mit Brennesseljauche und Rückzugsmöglickeiten für Insekten und Kleinlebewesen aussieht. Noch heute gibt es einen großen Teich, der Gemüsegarten ist seit dem Tod meines Vaters (gestern waren es drei Jahre) geschrumpft, Blumen hat meine inzwischen 75 jährige Mutter immer noch im Übermass. Mein eigener Garten ist zu meinem großen Bedauern noch im Werden, ob er jemals so wird wie ich es mir immer erträumt habe?
    herzlich Judika
    P.S. Dein Kommentar zu meinem Kornblumenpost hat mich sehr gefreut, hat mir wiedereinmal gezeigt wie nahe man sich durchs Bloggen kommt.

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  11. Wieder einmal traumhafte Eindrücke aus deinem kleinem Gartenparadies! Die vielen verschiedenen Pflanzen und Tiere ... was für eine Vielfalt! Einfach wunderschön!
    Wünsch dir noch einen schönen entspannten Sonntag!
    LG Mary

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  12. Bisher war ja bei uns eher mein Mann für das Lesen von (Natur-)Gartenbüchern zuständig. Auch den 'Drei-Zonen-Garten' hat er stets griffbereit und er träumt davon, bald unseren eigenen Garten in einen Hortus zu verwandeln. Deine wunderbaren Bilder haben mich animiert, mir dieses Buch auch mal genauer anzuschauen. Und nun will ich es von Anfang bis Ende lesen! ;-)
    ♥-liche Grüsse, mo(nika)

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  13. Liebe Ghislana, das ist so schön von anderen Ansätzen zu lesen, Deine Gartenbilder zu genießen und dabei festzustellen, dass diese schöne Form des "Gärtnerns" immer mehr Freunde gewinnt.
    Kenne auch das Gefühl der Freude, dass es anderen Menschen ähnlich geht wie einem selbst, wenn sie neue Wege gehen. Unser kleiner Garten wird auch gerne mal von Nachbarn als Wildnis bezeichnet. Ach ja.., damit kann ich mittlerweile immer besser leben.
    Herzliche Grüße zu Dir und Danke für die schönen Links.
    Erika

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
Bitte keine anonymen Kommentare.