Sonntag, 16. März 2014

Sonntagsfreuden...

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
Joachim Ringelnatz

Begrüßt werden von einem noch einsamen blühenden Waldveilchen auf dem von einer dicken Laubschicht bedeckten braunen Waldboden und erste Sämlinge entdecken.



Mir geht's gut und ich tauche wieder auf... nach 14 Arbeitstagen "quasi am Stück" mit winzigen blauen Pausen... Gestern Abend wohlig erschöpft und "glücklich k. o." zurückgekehrt vom mehrtägigen Seminar, mit einer tollen interessierten und inspirierenden Gruppe angehender Naturpädagogen, im Naturpark Märkische Schweiz im abgelegen mitten im Wald gelegenen Umweltzentrum Dreieichen. Von dort habe ich die Fotos mitgebracht, jedes ist mit einer besonderen Erinnerung verknüpft und schenkte mir heute beim Durchsehen Sonntagsfreuden - nach dem Auspacken der vielen zu so einem Theorie-Praxis-Seminar in Taschen und Rucksäcken verpackten Sachen, Bücher...

Ein grünes Tor öffnet sich ganz überraschend und lädt uns ein zur Suche nach Inspiration für die Projekte, die die Naturpädagogen vielleicht einmal für erwachsene Teilnehmer entwerfen, planen und anbieten wollen.
























Baumworte finden - Bäume können auf besondere Art zu Menschen sprechen.
















Märchenhaftes, Sagenhaftes - Zwerge, Trolle, Elfen und andere Waldwesen... Aus der Welt Erwachsener oft durch langes "Vernunft-Training" vertrieben - tauchen sie hier wieder auf mit all den Erinnerungen an Kindheit und eigene Waldstreifzüge (wenn sie denn sein durften, ich erlebe eine neue junge Erwachsenengeneration, in der viele diese basalen Walderfahrungen nicht kennen, um wieviel schöner, dass ich nun am Wochenende ein rundes Dutzend mit mir hatte, die gern Naturpädagogen werden möchten und noch Anknüpfungspunkte an ein eigenes "wildes" Kinderleben haben!)
Wer sagt eigentlich, dass es hier nicht doch Elefanten gibt gab...





















Den Job hätt' ich gern, wenn ich eine Waldameise wär': sich sonnen und Wärme ins Haus tragen...

























Oder doch lieber Zitronenfalter sein und durch die Waldluft gaukeln?

















Oder mich als Kornelkirsch-Blüte von Bienenbeinchen kitzeln lassen? Die Kornelkirsche hat der ebenso frühen und gelben und schönen Forsythie etwas ganz Wichtiges und Unersetzliches voraus: Nektar und Pollen für heimische Insekten im frühen Frühling. Die so verbreitete und doch hier eigentlich fremde Forsythie lässt unsere Insektenwelt leider komplett leer ausgehen. Als ich sie vor 30 Jahren pflanzte, wusste ich das auch noch nicht, und jetzt wünsche ich mir noch eine Kornelkirsche in meinen Garten.

























Rund um den auf der einen Seite fast völlig von naturbelassener Wildnis umgebenen Liebigpfuhl, der Weg am Samstag begleitet von Sonnenwärme und Waldvogelgesang, Wasservogelgeschnatter und Spechtklopfen
























Immer wieder Licht, das wir nach der langen dunklen Jahreszeit jetzt so besonders hell und wertvoll wahrnehmen, es geradezu suchen und tanken, zusammen mit der Wärme der Sonne, die selbst am frostigen Morgen schon spürbar ist.



























Dunkel kann geheimnisvoll sein, rätselhaft, aber auch verwirrend oder gar beängstigend. Und doch...






















... auch aus dem Dunkel eines Douglasien-Forsts kann plötzlich Farbe auftauchen, neugierig machen und anziehen... Oder man macht eine kleine Wendung...
... und es ist plötzlich wieder hell und Licht flutet die Dunkelheit. Manchmal können aus Naturräumen Metaphern fürs Menschen-Leben aufscheinen.






















Am Donnerstag hatte ich diese Kiefer gefunden, offenbar beim letzten Sturm musste sie nachgeben, wird hier gehalten von zwei jüngeren Laubbäumen. Am Samstag hatte sich das frühlingshaft sonnig milde Wetter geändert, nach nächtlichem Regen immer wieder auffrischender Wind mit zum Teil heftigen Böen. Wir bewegten uns auf durch noch recht jungen Baumbewuchs "sicheren" Pfaden und belauschten die herannahenden und uns oberhalb der Senke passierenden pfeifenden Böen respektvoll aus der Entfernung. Da fiel eine alte Kiefer, 150, 200 m entfernt, die Erschütterung hör- und spürbar..., Erschrecken und Staunen ob dieser so nah erlebten Naturgewalt.
Heimfahrt, kurzer sonniger windiger Zwischenhalt ein Dörfchen weiter, am Dorfteich von Münchehofe. Luft schöpfen, Atempause nach diesen intensiven Tagen...


























Meine Sonntagsfreuden schicke ich zu Maria.
Meine Perspektivwechsel im Douglasien-Forst zu Lotta.

Kommentare:

  1. Dass diese (Arbeit-)Tage für dich sehr intensiv waren, ist nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen, Ghislana.
    Danke für den Hinweis zu den Forsythien, hübsch aber "so wertlos wie Plastik für unsere Natur". Und ja, so oft drückt ein Bild mehr aus, als es Worte vermögen. Ich jedenfalls wäre gerne als SeminarTN UND Waldameise mit dabei gewesen.
    Ich wünsche dir, dass das Leben neben Frühstück noch etliche Köstlichkeiten für dich bereit hält!
    Birgit

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  2. Liebe Ghislana, ich freue mich so, dass du das schöne Wetter nutzen konntest für deine "Naturlehrgänge"... Wundervolle Impressionen hast du mitgebracht!!! Was ich hin und wieder beobachte...die Vögel sitzen in der Forsythia und knabbern an den Blüten...keine Ahnung, ob nur aus Langeweile...Wenn man bei uns Bienen beobachten möchte, dann muss man sich allerdings zur Kornelkirsche aufmachen...;-) Lieben Dank für Deine ganz zauberhafte Erklärung meiner Perspektive...die leite ich jetzt einfach mal "weiter"....;-) LG und noch einen schönen Sonntag! Lotta.

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  3. mit der forsythie ging mir das - auch vor 20 jahren - genauso. dank deiner anregung pflanze ich demnächst eine kornelkirsche!
    deine bilder sind wunderbar und ich freue mich, dass es bei einigen doch noch eine "wilde" kindheit gibt bzw. gab.
    liebe grüße an dich, mano

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  4. Welch herrlich bebilderter Bericht deiner Tätigkeit der letzten Wochen! Und das vorangestellte Gedicht lässt mich vermuten, dass du dich über freie Zeit freuen kannst.
    Eine gute Woche!
    Herzlichst
    Astrid

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  5. Liebe Ghislana,

    das ist ja unfassbar, ich habe in der letzten Woche mit ganz vielen Klienten an diesem Gedicht, das ich so sehr liebe, gearbeitet (es hat bei mir allerdings ein paar Zeilen mehr...) und jetzt taucht es bei Dir als Wochenabschluss nochmal auf...toll...
    und so schöne Bilder... Wenn ich die kleine Dame überreden kann, nach einem Waldkindergartenmorgen nochmal mit mir in den wald zu gehen, jagen wir morgen den ersten Bärlauch... Hab eine knallvergnügte Woche! Deine Nina

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  6. Was für feine Fotos! Diese herrlichen Blicke und Erlebnisse liebe ich immer so, weshalb ich mit den Hunden so gern im Wald unterwegs bin.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. knallvergnügt kann man nur sein bei der naturladung, die du da in meine wohnung zauberst. herrlich.

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  8. auch montagsfreuden für mich….danke! du hast mir mit deinen Impressionen einen tollen wochenstart gezaubert! liebe grüsse zu dir!

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  9. Wunderschöne Waldimpressionen ! Veilchen und Elefantenfüsse -zart und mächtig zugleich . Ich muss unbedingt auch einmal in deine Gegend !
    Österreichische Rezepte werden oft mit dag angegeben . Bei den alten Rezepten von meiner Oma gibt es überhaupt nur dag Mengenangaben . Aber du hast eh ganz richtig gerechnet , einfach eine 0 dazu :) also 25 dag = 250 g.
    Ganz liebe Grüße Ursula

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  10. Liebe Ghislana,

    ich könnte jedes deiner Fotos kommentieren, aber dann würde dieser Kommentar länger als dein Post ;)

    Fabelwesen und Elefanten, Bäume und Licht, Wasser und Sonne, Wind und ein vor Lebensfreude praller gedanklicher und tatsächlicher Rucksack. Was bist du doch für ein Glückspilz. ♥

    Liebste Grüße
    Rebekka

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  11. Die Wunder der Natur - sehr schöne Impressionen!
    Ich wünsche dir eine schöne Woche, Cora

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  12. Liebe Ghislana,
    körperlich sitze ich gerade in Stralsund, aber gedanklich streife ich gerade mit dir rund um Dreieichen, genießen die Bäume und manch magischen Ort dort, erinnere mich an ein Seminar vor ich weiß nicht mehr wieviel Jahren, zu dem ich meine Freundin nach Dreieichen begleiten durfte, sitze gedanklich bis spät in die Nacht mit lauter tollen Frauen ums Feuer ... hach da kommt mir so vieles gerade wieder in den Sinn.

    Und gleichzeitig wäre gern wirklich dort gewesen ... mit den angehenden Naturpädagogen ... mehr ausnahmsweise per Mail.

    Nen ganz lieben Gruß von Antje

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  13. Das war jetzt ein wahrer Genuss für die Augen.
    Deine Bilder sind toll und bringen ein klein wenig das
    Wald-Frühlings-Gefühl rüber.
    Danke, dir einen schönen Tag.
    jumie

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Ich freue mich sehr über eure Gedanken. Leider jetzt auch bei mir mit Sicherheitsabfrage. Mir wird das "Müll-Schaufeln" zu viel...
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